Trichinella

Trichinellen sind eine Gattung winziger Fadenwürmer mit parasitischer Lebensweise. Säugetiere, Vögel und Menschen dienen als Zwischen- oder Endwirt. Das durch Trichinellen hervorgerufene Krankheitsbild wird als Trichinellose bezeichnet. Die durch Trichinellen verursachten Erkrankungen des Menschen sind in Deutschland meldepflichtig. Dies gilt bereits beim Verdacht einer Infektion.

Ansprechpartner

Doris Heim

Cornelia Trapp

Trichinellose

Diese ist eine der häufigsten Wurmerkrankungen des Menschen weltweit. Typisch ist das plötzliche epidemieartige Auftreten von Trichinellose-Fälle mit bisweilen über 1.000 befallenen Personen. Seit der gesetzlichen Einführung der obligatorischen Trichinellenuntersuchung von Fleisch der Tierarten, die mit Trichinellen infiziert sein können (Fleischbeschau), tritt die Trichinellose in Deutschland nur noch selten auf. Vereinzelte Erkrankungsfälle in der jüngeren Vergangenheit standen immer im engen Zusammenhang mit dem Verzehr von Fleischprodukten aus Risikogebieten in Osteuropa.

Infektionsweg

Der wichtigste Erreger in Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist Trichinella spiralis. Er wird hauptsächlich durch den Verzehr roher oder ungenügend erhitzter, infizierter Fleischerzeugnisse (z. B. von Wild oder Hausschwein, Pferd) übertragen. Durch die enzymatische Einwirkung des Magensafts werden die Larven aus ihrer Kapsel befreit und gelangen durch die Darmkontraktion passiv in den oberen Dünndarm. Dort dringen sie in die Darmschleimhaut ein und entwickeln sich in 24 bis 30 Stunden zum ausgewachsenen, geschlechtsreifen Wurm. Nach der Befruchtung produzieren die Weibchen bis zu 1.500 Larven. Nach Erreichen des endgültigen Sitzes im Muskelgewebe wird die befallene Zelle zu einer kapselförmigen Ammenzelle, in der die Larve bis zu 30 Jahre überleben kann.

Symptome

Knapp eine Woche nach Aufnahme der Trichinellen stellen sich Symptome wie Mattigkeit, Schlaflosigkeit, schubförmige Fieberepisoden, Magen-Darm-Beschwerden und starkes Durstgefühl ein. Später folgen Muskelverhärtung, Muskelschmerzen, Heiserkeit, Schluck- und Atembeschwerden. Typisch für eine Trichinellose sind in diesem Stadium auch Schwellungen im Gesicht und im Bereich der oberen Augenlider, Bindehautentzündung, Sehstörungen oder auch Herzrasen. Als Komplikationen können Herzmuskelentzündung, Entzündungen des Hirngewebes und Sekundärinfektionen auftreten. Der Schweregrad der Erkrankung ist abhängig von der Anzahl der aufgenommenen Larven. So können ab einer Aufnahme von rund 70 Larven Symptome auftreten, die ab einer Zahl von 3.000 Parasiten bedrohliche Ausmaße annehmen.

Prävention

Die Trichinellenuntersuchung von Fleisch empfänglicher Tierarten ist Pflicht und wird im Rahmen der Amtlichen Fleischuntersuchung durchgeführt.
Durch geeignete Vorbeugungsmaßnahmen können im Fleisch vorkommende Trichinellen unschädlich gemacht werden. Temperaturen von mindestens 65° C töten den Erreger mit Sicherheit ab, wobei sich im Kern des Fleischstückes die Farbe von rot nach grau verändert haben muss. Eine weitere Möglichkeit ist das Tiefgefrieren von Fleisch, wodurch die beim Hausschwein am häufigsten vorkommende Spezies Trichinella spiralis abgetötet wird. Dazu muss das Fleisch mit einem Durchmesser oder einer Schichtdicke von max. 15 cm über 20 Tage bei ?15°C oder 10 Tage bei ?23°C eingefroren sein. Bei voluminöseren Stücken verlängert sich die Zeit entsprechend. Im Ausland oder bei Einfuhr ist generell besondere Vorsicht bei Produkten aus Haus- und Einzeltierschlachtungen sowie selbst hergestellten Produkten von erlegtem Wild geboten (insbesondere Rohwaren, wie Rohwurst oder Rohschinken). Rohes Fleisch oder daraus hergestellte Produkte sollten insbesondere in osteuropäischen Ländern vorsorglich nicht verzehrt werden und gehören auch nicht ins Reisegepäck.