Pressemitteilungen

Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Antje Krüger / Tel. 0381 - 4035 640 / antje.krueger@lallf.mvnet.de


Pressemitteilungen 2020


Speiseeis aus M-V in alljährlicher Kontrolle

Besonders im Sommer ist die Lust auf Eis geweckt. Damit die kalte Leckerei zu einem problemlosen Genuss wird, sind jährlich Proben unterschiedlicher Sorten aus Eisdielen in Mecklenburg-Vorpommern in der mikrobiologischen Untersuchung im LALLF in Neubrandenburg.

In diesem Jahr wurden bis Ende Juli im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) 202 Speiseeisproben, der Großteil aus Softeisautomaten (129), mikrobiologisch geprüft.
Ein gutes Ergebnis vorweg: „Krankmachende Keime wie Salmonellen oder Listerien (Listeria monocytogenes) konnten nicht nachgewiesen werden“, bilanziert Tierärztin Birte Andreas, Dezernatsleiterin für die mikrobiologische Untersuchung milchbasierter Lebensmittel.

Zehn Prozent der Eisproben (21 Stück, davon 17 Softeis) mussten aber wegen hygienischer Mängel beanstandet werden. Häufig wurden Grenz- bzw. Warnwertüberschreitungen von Enterobakterien (Hygienenachweiskeime), einschließlich E. coli, festgestellt.
Bei den Enterobakterien handelt es sich in der Regel um Verunreinigungen durch die Nutzung hygienisch nicht einwandfreier Gerätschaften oder Rohware bei der Herstellung oder Abgabe des Gefrorenen. Selten sind technologisch bedingte Fehler die Ursache.

Diese Ergebnisse sind tendenziell besser als in den Vorjahren, allerdings sind in diesem Jahr coronabedingt durch die Schließungen der Verkaufsstellen nicht so viele Proben untersucht worden.

Speiseeis kann von der Herstellung bis zum Verzehr mit Keimen kontaminiert werden. Daher ergibt sich die stetige Notwendigkeit von Kontrollen der Eisdielen mit entsprechenden Auflagen durch die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter. „Für ein einwandfreies Eis ist unter anderem eine fachkundige Reinigung und Wartung der Softeisautomaten die Voraussetzung“, betont Andreas. „Denn der Milchanteil im Eis ist ein guter Nährboden für Bakterien. Grundsätzlich können Verbraucherinnen und Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern ihr Eis guten Gewissens genießen“.

Hintergrund
Enterobakterien ist der Oberbegriff für verschiedene Bakterienarten, die in der Natur weit verbreitet sind und auch im Verdauungstrakt, also im Darm von Mensch und Tier vorkommen. Die meisten Arten gelten als typische Indikatoren für mangelnde Hygiene und sind für gesunde Menschen nicht gefährlich.

Für die mikrobiologische Beurteilung der Eisproben werden sowohl die Vorgaben der VO (EG) Nr. 2073/2005 (für Eis direkt aus der Herstellung) als auch die Richt- und Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie in Verbindung mit der Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) herangezogen.

 


Transportmittel Urlauber?

Verschleppung von Pflanzenkrankheiten mit ungeprüfter Ware vermeiden

Bakterien, Viren, Pilzsporen – sie sind alle für das menschliche Auge nicht erkennbar und doch vorhanden und teilweise gefährlich. Sie können unbeabsichtigt und ohne wahr genommen zu werden als Urlaubsmitbringsel aus fernen Ländern, z. B. mit einer Oleandertopfpflanze, nach Deutschland eingeschleppt werden. Ist auch nur eine Oleanderpflanze nachweislich mit dem Feuerbakterium Xylella fastidiosa infiziert, müssen im Umkreis von 100 Metern alle bekannten und verdächtigen Wirtspflanzen – das sind über 300, z. B. Ahornbäume - ausnahmslos vernichtet werden. Es wird eine 5 km-Pufferzone eingerichtet, in der regelmäßig amtliche Überwachungsmaßnahmen durchzuführen sind. Zahlreiche Pflanzenschutzmaßnahmen folgen, um einer weiteren Verbreitung dieses todbringenden und sonst unbekämpfbaren Bakteriums vorzubeugen. So hat ein kleines Urlaubssouvenir katastrophale Folgen!

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2020 zum Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit ernannt. Ziel ist es unter anderem, Verbraucherinnen und Verbraucher verstärkt darauf hinzuweisen, welche unabsehbaren Gefahren von pflanzlichen Souvenirs ausgehen können. „Die meisten Reisenden wissen nicht, dass es verboten ist, frische pflanzliche Waren oder Pflanzen ohne Pflanzengesundheitszeugnis nach Deutschland mitzubringen“, sagt Dr. Joachim Vietinghoff, stellvertretender Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock. Es gibt EU-weite Regelungen für die Einfuhr von Pflanzen und deren Produkte. Wenn an der Grenze kein Pflanzengesundheitszeugnis vorgelegt werden kann, werden Pflanzen oder Pflanzenprodukte in der Regel vernichtet und es kann ein Bußgeld fällig werden. Als Leiter des Landespflanzenschutzdienstes unterstreicht Vietinghoff: „Selbst bei Früchten, Gemüse, Samen und Schnittblumen ist Vorsicht geboten. Auch die bei den Einwohnern Mecklenburg-Vorpommerns beliebte  Kartoffelknolle darf nicht aus Drittländern eingeführt werden.“
Der Schutz vor Ein- und Verschleppung von Schadorgansimen ist wichtig: für die nachhaltige Pflanzenproduktion, eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, den Schutz der heimischen Pflanzen in ihren Lebensräumen und damit den Schutz der Umwelt sowie der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland.

Hintergrund
Warum ein Jahr der Pflanzengesundheit? Der FAO zufolge machen Pflanzen etwa 80 Prozent der Nahrung aus und produzieren 98 Prozent des Sauerstoffs, den wir atmen. Gleichzeitig sind sie einer ständigen und zunehmenden Bedrohung durch Krankheiten und Schädlinge ausgesetzt. Das kann zu hohen Verlusten in der Pflanzenproduktion führen, Hunger von Menschen in bestimmten Regionen verursachen und weltweit die Landwirtschaft und die Biodiversität schädigen. Deshalb sind Strategien und Maßnahmen zur Förderung der Pflanzengesundheit so bedeutsam. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung, die sich die Vereinten Nationen gesetzt haben, sind nur auf diesem Weg zu erreichen. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund der deutlich zunehmenden Risiken einer Ein- und Verschleppung von Schadorganismen aufgrund der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung in der Pflanzenproduktion, der Globalisierung des Handels, des weltweiten Tourismus und des Klimawandels.

Entsprechende Informationen sind unter anderem beim Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, dem Julius-Kühn-Institut, zu finden:
www.julius-kuehn.de/ag/internationales-jahr-der-pflanzengesundheit-2020/

 


Keine Beanstandung bei Spargelproben 2020

Die Untersuchungen von 18 Proben frischen Spargels sind coronabedingt erst jetzt im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock beendet worden. 17 Proben stammten von deutschen Erzeugern, eine aus Griechenland. Sie wurden sowohl aus dem Einzelhandel als auch direkt bei Erzeugern aus Mecklenburg-Vorpommern entnommen.
Die sensorische Prüfung von Aussehen, Geruch und Geschmack der weißen und violetten Ware zeigte keine Abweichungen.
Die anschließende Analyse auf jeweils ca. 450 Wirkstoffe aus dem Bereich Pflanzenschutzmittel, zum Beispiel DDT, Lindan, Pendimitalin und 14 perfluorierte Alkylsubstanzen blieb komplett ohne Nachweis. "Das ist ein hervorragendes Ergebnis und besser als in den Vorjahren", betont Frerk Feldhusen, Direktor des LALLF.
Die Spargelproben wurden außerdem auf den Gehalt an Schwermetallen untersucht. Spuren von Blei und Cadmium ließen sich in 14 (78 %) Proben nachweisen. Sie lagen alle unterhalb der gesetzlich erlaubten Höchstmengen. Schwermetalle können unter anderem über den Boden von der Pflanze aufgenommen werden.

Hintergrund
Perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind Industriechemikalien, Substanzen einer leicht wasserlöslichen Untergruppe der organischen Fluorverbindungen, die als Verunreinigungen bestimmter Düngemittel/Bodenverbesserer oder Gärreste in Obst und Gemüse übergehen können. Sie sind zum Beispiel Bestandteil von Imprägniermitteln  Outdoortextilien) und Feuerlöschschäumen. Im Tierversuch wirkten einige dieser Verbindungen leberschädigend, reproduktionstoxisch und sie sind vermutlich krebserzeugend.


Gemüsechips eine unbedenkliche Knabberei?

Acrylamid in Kartoffel- und Gemüsechips

Gemüsechips, beispielsweise aus Süßkartoffeln, Möhren, Pastinaken oder rote Bete, sind neuere Handelsprodukte, die den Verbraucher inspirieren, mal etwas anderes, vermeintlich gesundes, aus dem Knabbereienregal zu konsumieren. Das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) widmet sich auch dieser Produktgruppe. Im Fokus stand der Vergleich des Gehalts an vermutlich krebserregendem Acrylamid in Gemüsechips und klassischen Kartoffelchips.

„Die Analysen der zehn Proben Kartoffel- und ebenso vielen Gemüsechips ergaben unterschiedliche Ergebnisse: Der Richtwert für Kartoffelchips von 750 µg/kg Acrylamid wurde in keiner Probe überschritten. Die Acrylamidgehalte der Gemüsechipsproben lagen im Mittel statistisch abgesichert höher, bei 1.236 µg/kg“, sagt Frerk Feldhusen, Direktor des LALLF. Der höchste ermittelte Acrylamidgehalt in Gemüsechips betrug knapp 1.900 µg/kg.
Die Bildung der unerwünschten Substanz wird in den Gemüsechips höchstwahrscheinlich durch den höheren Zuckergehalt der verwendeten Gemüsesorten im Vergleich zu Kartoffeln begünstigt.
„Bei Kartoffelchips wird das Risiko der Überschreitung der Richtwerte für Acrylamid inzwischen als gering eingeschätzt“, ergänzt Feldhusen. Die Hersteller haben in den letzten Jahren Maßnahmen zur Minimierung des Acrylamids in ihren Produktionsverfahren erfolgreich angepasst und umgesetzt.
Für Gemüsechips gibt es noch keinen separaten Richtwert. Die Datenbasis für Acrylamidwerte muss weiterhin vergrößert werden, damit zukünftig eine entsprechende Zahl für diese Produktgruppe festgelegt werden kann.

„Zu vermuten ist, dass momentan durch den geringeren Verzehr der Gemüsechips eher kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher gegeben ist“, so Feldhusen.
Grundsätzlich enthalten die meisten, im Handel erhältlichen Kartoffel- und Gemüsechips viel Fett und Salz und sollten daher nur gelegentlich genossen werden.

Hintergrund
Acrylamid gehört aufgrund von Daten aus Tierversuchen zu den unerwünschten Stoffen. In Tierversuchen wirkte es Krebs erzeugend und Erbgut verändernd. Das Bundesamt für Risikobewertung in Berlin schätzt ein, dass Acrylamid in Lebensmitteln das Risiko der Krebsentwicklung bei Verbrauchern aller Altersgruppen erhöhen könnte.
In Lebensmitteln entsteht Acrylamid tagtäglich bei der Zubereitung mit Temperaturen ab 150 Grad Celsius, die die Lebensmittel auch ‚bräunt‘. Als Entstehungsbasis müssen die Aminosäure Asparangin und sogenannte reduzierende Zucker, wie Glukosen oder Fruktose, in dem Lebensmittel enthalten sein.
Aufgrund der vielen Einflussfaktoren lässt sich die Höhe der Bildung von Acrylamid bislang schwer voraussagen. Je dunkler Backwerk, Chips und Co sind, desto höher ist wahrscheinlich auch ihr Acrylamid-Gehalt.
Wichtige Acrylamid-Quellen sind Kaffee, Chips, Kekse, Kräcker und Knäcke- sowie Toastbrot. Im Verhältnis zum Körpergewicht sind Kinder die am stärksten exponierte Altersgruppe.
 


Amtliche Untersuchung mayonnaisehaltiger Feinkostsalate

Ergebnisse besser als in den Vorjahren

Mayonnaisehaltige Feinkostsalate, wie Kartoffel-, Fleisch- und Heringssalate, sind bei Verbrauchern zu jeder Jahreszeit beliebt. Aber sie gehören zu den leichtverderblichen Lebensmitteln. Um Verbraucher zu schützen, werden sie regelmäßig amtlich untersucht.
„172 Proben Feinkostsalate und einige, ähnlich zu bewertende Saucen aus Imbisseinrichtungen, sind in den letzten 12 Monaten im Amtslabor mikrobiologisch untersucht worden“, sagt Frerk Feldhusen, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock. „Obwohl keine Probe mikrobiologisch beanstandet werden musste, waren einige Hygienemängel offensichtlich“, resümiert er.
Getestet wurden 115 Proben vorverpackte, in der Regel industriell hergestellte Ware aus dem Einzelhandel und 57 Erzeugnisse kleinerer Hersteller, die in loser Abgabeform dem Handel entnommen wurden.
„Insgesamt sind die ermittelten Ergebnisse besser als die der Vorjahre“, betont Feldhusen. Obwohl kein Feinkostsalat beanstandet werden musste, enthielten sechs Proben, sowohl industriell als auch handwerklich hergestellter Produkte, den Krankheitserreger Listeria monocytogenes. Allerdings waren dessen Konzentrationen nicht gesundheitsgefährlich.
Weiterhin waren sieben Proben, hier ausschließlich handwerklich hergestellte Salate und Saucen, hinsichtlich ihrer hygienischen Beschaffenheit auffällig.
Die Untersuchungsergebnisse zeigten erwartbare Unterschiede in der mikrobiologischen Qualität, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Ausgangsmaterial bei kleinen Herstellern auch aus Schneideresten besteht. Bei der vorverpackten Industrieware lagen die untersuchten Hygieneparameter in der Regel unterhalb der Nachweisgrenze.

Die Analyseergebnisse belegen den sensiblen Charakter der Feinkostsalate hinsichtlich ihrer mikrobiologischen Qualität bei handwerklicher Herstellung. Die Lebensmittelunternehmer wurden bei Auffälligkeiten an ihre Pflicht zur hygienischen Herstellung und sicheren Lagerung sowie Berücksichtigung der ausgewiesenen Haltbarkeitsfristen erinnert. „Besonders wichtig erscheint der Einsatz einwandfreier Ausgangsware“, betont Feldhusen.

Ergänzend sind im LALLF 16 Mängel hinsichtlich der Kennzeichnung festgestellt worden. Am häufigsten fehlte das gesetzlich vorgeschriebene Benennen der Verwendung von Süßungsmitteln mit zur Bezeichnung des Lebensmittels. Dazu kamen fehlende, unzureichende oder unleserliche Angaben von Zutaten oder anderen Pflichtelementen.

Für einen sorglosen Genuss hat aber auch der Verbraucher selber eine Verantwortung! Gerade bei der häuslichen Lagerung, natürlich auch beim Selbermachen von Feinkostsalaten oder Mayonnaisen ist wichtig: die leicht verderblichen Waren gehören zur Lagerung schnellstmöglich in den Kühlschrank. Das gilt besonders bei sommerlichen Tagestemperaturen. Die optimale Kühlschranktemperatur wäre +5°C, die meist eingestellten +7°C sind eine gute Basis. So kann eine Vermehrung der meisten Bakterien verlangsamt oder gar gestoppt werden. Ein Verbrauch am Herstellungs- oder Einkaufstag ist eine weitere allgemeine Empfehlung.

Hintergrund
Mayonnaisehaltige Feinkostsalate sind allseits beliebte Lebensmittel. Sie sind als vorverpackte und häufig industriell produzierte Erzeugnisse in großer Bandbreite im Einzelhandel vertreten, werden aber auch von vielen kleinen Herstellern wie Fleischern oder Bäckern handwerklich hergestellt und dann oft in loser Abgabe in den Verkehr gebracht. Diese Erzeugnisse sind grundsätzlich als leichtverderblich einzustufen. Typische Erreger, die zu sensorischen Abweichungen führen, sind Milchsäurebakterien und Hefen. Auch einige krankmachende Mikroorganismen, wie Listerien, Staphylokokken und Salmonellen haben die Möglichkeit zum Überleben und Vermehren. Bei der Herstellung und Lagerung sind daher die einschlägigen Hygieneregeln einzuhalten.

Listeria monocytogenes ist ein Erreger, der ab 100 Keimen/g Lebensmittel für den Menschen gefährlich sein kann, hat aber aufgrund des niedrigen pH-Wertes von Feinkostsalaten sowie dem verbreiteten Einsatz von Konservierungsmitteln eher schlechte Bedingungen für eine weitere Vermehrung.
 


Ab sofort Corona-Hotline für Fragen der Landwirtschaft geschaltet

Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt hat ab sofort eine eigene Hotline für Fragen in den Zuständigkeitsbereichen Landwirtschaft, Ernährung, Lebensmittelsicherheit, Forst, Jagd, Fischerei im Zusammenhang mit dem Coronavirus
geschaltet:

Hotline:  0385/ 588 6599
erreichbar:  Mo - Fr von 8 - 17 Uhr


Außerdem ist das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt für allgemeine Informationen auch weiterhin über das reguläre Bürgertelefon erreichbar:

Bürgertelefon:  0385/ 588 6066
erreichbar:  Mo - Fr von 8 - 17 Uhr


Rückstände in Zitronen und Limetten?

„Jede der 12 untersuchten Proben konventioneller Zitronen und Limetten enthielt Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Es gab aber keine Höchstmengenüberschreitung und daher auch keine Beanstandung.“, erklärt Professor Frerk Feldhusen, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock. Er ergänzt: „Die außerdem analysierten zwei Proben ökologisch erzeugter Zitrusfrüchte waren komplett rückstandsfrei.“
Die handelsüblichen Obstproben kamen u. a. aus Spanien, Brasilien, Mexiko und Vietnam.

Auf mindestens 400 verschiedene Wirkstoffe wurde jede Probe analysiert. Maximal waren neun Substanzen in einer Limettenprobe nachgewiesen worden. Insgesamt gelang der Nachweis von 14 verschiedenen Wirkstoffen in den Früchten. Es handelte sich überwiegend um zugelassene Schalenbehandlungsmittel, die das saure Obst nach der Ernte haltbarer machen sollen. Überwiegend waren das Wirkstoffe gegen Schimmelpilze.

Für den Verzehr von Zitrusfrüchten mit Schale sollte auf deren Deklaration geachtet werden. Der Hinweis „ohne Konservierungsmittel“ oder „Schale zum Verzehr geeignet“ ist dann Früchten mit ausgewiesener Nacherntebehandlung vorzuziehen.
„Sollen Limonen und Zitronen zum Genuss in Getränken oder Speisen in Stücken mit Schale oder als ganze Frucht verwendet werden, ist vor dem Servieren ein gründliches Reinigen, am besten ein Abbürsten unter heißem Wasser ratsam. So lassen sich eventuell vorhandene Rückstände sehr gut reduzieren“, rät Feldhusen.

Hintergrund
Rückstände sind Reste von Stoffen, die absichtlich und zielgerichtet während der Produktion pflanzlicher Lebensmittel (z. B. Pflanzenschutzmittel) oder während deren Lagerung (u. a. Vorratsschutzmittel) eingesetzt werden. Wenn sie oder deren Umwandlungsprodukte während der Lebenszeit der Pflanzen bzw. bis zum Verzehr des Lebensmittels nicht vollständig abgebaut werden, treten sie als Rückstände in Lebensmitteln auf.

Schalenkonservierungsmittel (Nacherntebehandlungsmittel) sind Fungizide, also Mittel gegen Pilzbefall, die häufig auch zusammen mit verschiedenen Wachsen auf die Schalen von Zitrusfrüchten aufgebracht werden, um einen Verderb der Früchte auf dem Transport und während der Lagerung zu vermeiden. Das Wachsen nimmt man vor, damit die Früchte nicht so schnell austrocknen. Danach sind die Schalen für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet. Deshalb muss diese Nacherntebehandlung beim Verkauf für den Verbraucher deutlich sichtbar kenntlich gemacht werden.


Von Maiskopfbrand bis zur Verwendung von Randdüsen

Winterschulungen für Landwirte als Basis versierten Pflanzenschutzes

Dass der Rapsanbau im Land schon in Größenordnungen abgenommen hat, resultiert auch aus der starken Abhängigkeit der gelb blühenden Ölsaat von der Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel. „Europäische und nationale Zulassungsbehörden sortieren gerade zahlreiche kritische Wirkstoffe in einem bislang nicht gekanntem Umfang aus. Darum ist es höchste Zeit, alternative Verfahren zu entwickeln. Den Anfang machen neue Strategien der Unkrautregulierung“, sagt Stephan Goltermann, stellvertretender Abteilungsleiter Pflanzenschutzdienst des LALLF bei einer Winterschulung der Landwirte des Großbereiches Rostock in dieser Woche. Die Experten des Pflanzenschutzdienstes (PSD) konnten in eigenen Versuchen belegen, dass die Kombination von mechanischer (Hacke) und chemischer Unkrautkontrolle funktioniert und mindestens 60 % chemische Mittel eingespart werden können. Auch finanziell stellt diese Methode keinen Verlust dar. „Daher: Beachten Sie diese Kombination bei zukünftigen Investitionen.“, empfiehlt Goltermann.

Kolleginnen und Kollegen des Pflanzenschutzdienstes (PSD) des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V haben auf 15 öffentlichen Veranstaltungen in jeder Region des Landes Informationen zu wichtigen Neuerungen in Sachen Pflanzenschutz weiter gegeben. Die Teilnahme an einer Schulung gilt für Landwirte alle drei Jahre als Pflichtqualifizierung. Das vermittelte Wissen resultiert aus aktuellen rechtlichen Regelungen, eigenen Versuchen und Monitorings sowie Ergebnissen von Bundeseinrichtungen und der Wissenschaft.

Informiert wurde unter anderem über Besonderheiten im Krankheitsgeschehen bei verschiedenen Ackerkulturen, wie Weizen, Raps und Gerste. Milde Herbste, Winter ohne Vegetationsruhe, ausgeprägte Regen- und Trockenzeiten haben einen deutlichen Einfluss auf die Früchte und ihre Feinde. Weizenverzwergungsviren, Weißfleckenkrankheit im Raps oder der 2019 erstmals in M-V nachgewiesene Maiskopfbrand, eine Pilzkrankheit, sind Anzeichen dafür. Die Sporen der „neuen“ Maiskrankheit benötigen zum Keimen hohe Bodentemperaturen und eine sehr niedrige Bodenfeuchte – Bedingungen, die im letzten Jahr erfüllt wurden.

Immer ist das Thema „Abdrift“ eine sensible Angelegenheit. Von 73 Anzeigen von Bürgern im Jahr 2019, bezogen sich 35 auf Abdrift – also dem Verwehen von Pflanzenschutzmitteln beim Ausbringen auf die Landwirtschaftsfläche. Auf so eine Anzeige reagieren die Mitarbeiter des PSD sofort mit einer Vor-Ort-Kontrolle und dazugehöriger Probenahme. In 13 Fällen lagen Verstöße gegen die gute fachliche Praxis von Landwirten vor. Diese wurden geahndet. In diesem Zusammenhang wiesen die Mitarbeiter des Landesamtes auch auf die Nutzung von Randdüsen für Spritzgeräte hin. Diese ermöglichen ein „randscharfes“ Arbeiten und verringern die Abdrift zusätzlich zu allen sonstig bekannten Maßnahmen. Ergänzt wurde diese Empfehlung mit der Erinnerung an die Pflicht der Landwirte, ihre Pflanzenschutzgeräte alle drei Jahre in einer qualifizierten Fachwerkstatt zertifizieren zu lassen. Diese Pflicht wurde jetzt vom Gesetzgeber auch auf Beizgeräte und Granulatstreugeräte erweitert.

Informiert wurde zudem über die Ursache von angezeigten Bienenschäden. „Im Jahr 2019 sind dem LALLF zehn Schäden an Bienenvölkern gemeldet worden.“, berichtet Margit Nagel, Dezernatsleiterin des Regionaldienstes Greifswald in Leyerhof bei Grimmen. Die Proben werden im Institut für Bienenkunde des JKI in Braunschweig (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) biologisch und chemisch untersucht. Ist der PSD von Anfang an in den Fall eingebunden, gelangen auch Proben in das Labor der Tierseuchendiagnostik des LALLF. 2019 wurde kein Schadensfall durch Pflanzenschutzmittel verursacht! Oft waren Varroamilben bzw. damit assoziierte Viruskrankheiten der Grund für Bienenverluste. Auch der Einfluss des Einsatzes von Bioziden im Haus- und Kleingarten konnte als Todesursache ermittelt werden. Nagel empfiehlt den Landwirten nachdrücklich: „Reden Sie mit den Bienenhaltern über ihren Spritzplan, damit diese gute Entwicklung keinen Abbruch erleidet und ziehen Sie uns bei Schäden von Beginn an mit hinzu!“.

Hintergrund
Die neuen Ergebnisse und Empfehlungen zum Integrierten Pflanzenschutz im Ackerbau werden seit 1991 vom Pflanzenschutzdienst des LALLF jährlich zusammengestellt und auch in Broschürenform herausgegeben. Sie sind unter anderem Basis für die Winterschulungen.
Landwirte, Händler und Berater finden aktuelle Beratungsempfehlungen für die Planung und Umsetzung von Pflanzenschutzmaßnahmen. Die Grundlage bilden konkrete Ergebnisse aus Versuchen und Monitorings zurückliegender Jahre. Die Empfehlungen können als Leitfaden und Unterstützung für die tägliche Arbeit verstanden werden. Alle neuen rechtlichen Anforderungen sowie Neuerungen bei Zulassungen bzw. Anwendungsbestimmungen der Pflanzenschutzmittel finden ebenfalls Berücksichtigung. Die Broschüre ist gegen eine Schutzgebühr im LALLF erhältlich.


Tierarzneimittelrückstände im Fleisch aus Mecklenburg-Vorpommern nahe Nulllinie

Untersuchungsergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplanes

2.940 Proben Fleisch unterschiedlicher Tierarten aus M-V sind im Jahr 2019 im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) auf pharmaklogisch wirksame Stoffe – also Tierarzneimittelrückstände – untersucht worden. Die Proben stammten aus den Tierbeständen der Erzeugerbetriebe oder aus Schlachtbetrieben. Sie bilden in dieser Größenordnung eine repräsentative Überwachungsdichte.

„Sehr erfreulich ist, dass bei nur vier Proben, also knapp 0,14 %, Tierarzneimittel oberhalb der gesetzlich zugelassenen Höchstmengen festgestellt wurden. Das schließt Antibiotika mit ein“, sagt Prof. Frerk Feldhusen, Direktor des Landesamtes. Alle vier Nachweise stammten von Rindern.

In Umsetzung des Nationalen Rückstandskontrollplanes, einem jährlichen EU-weiten Überwachungsprogramm, sind aus M-V 1.153 Rinder, 1.300 Schweine, drei Schafe, ein Pferd sowie 483 Geflügelproben auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe analysiert worden.
Dieses Untersuchungsprogramm dient der Aufdeckung möglicher illegaler Anwendungen verbotener bzw. nicht zugelassener Stoffe sowie der Kontrolle des vorschriftsmäßigen Einsatzes von zugelassenen Tierarzneimitteln. Letzteres umfasst überwiegend die Einhaltung der Wartezeiten seit der letzten Tierbehandlung mit einem Arzneimittel bis zum Zeitpunkt der Schlachtung. Die Wartezeit stellt sicher, dass Rückstände von Arzneimitteln die festgelegten Höchstmengen im Fleisch nicht überschreiten können, da sie im Tier bis zur Schlachtung abgebaut worden sind.

Der Anteil Nachweise von Arzneimitteln in Schlachttieren ist in  M-V seit einigen Jahren in dieser Größenordnung zu finden. Generell liegt der Prozentsatz der Positivbefunde damit noch unter denen des Bundesdurchschnitts. Die Zahlen für Deutschland werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit* veröffentlicht.

„Jeder Positivbefund ist einer zu viel! Aber die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass Rückstände von Tierarzneimitteln inklusive Antibiotika ausgesprochen selten nachgewiesen werden. Die Einzelfälle stellen Straftatbestände dar und werden entsprechend verfolgt. So sollen Tierhalter, Tierärzte und Schlachthofbetreiber weiter sensibilisiert werden“, unterstreicht Feldhusen.
Die Ergebnisse zeigen, dass der absolute Großteil Fleisch bedenkenlos gegessen werden kann.

Im Rahmen des Kontrollprogramms „Nationaler Rückstandskontrollplan“ wurden im Jahr 2019 im LALLF außerdem 109 Milchproben, 46 Eier sowie 13 Fische aus Aquakulturen auf Rückstände von Tierarzneimitteln untersucht. In keiner der Proben sind Wirkstoffe nachgewiesen worden.
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Detaillierte Ergebnisse dieser und anderer Untersuchungen werden auf dieser Homepage.
*Ergebnisse des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: www.bvl.bund.de


Fett für „Berliner“ und Co in Ordnung?

„Berliner Pfannkuchen“, kurz „Berliner“, haben in der Karnevalszeit Hochkonjunktur. Diese Spezialität und andere fettausgebackene Kuchenstücke, wie Schürz- und Spritzkuchen sowie Quarkbällchen werden in ganz Deutschland gern gegessen.
In einer Schwerpunktuntersuchung sind 2019 zwanzig Siedefette mit den dazugehörenden Gebäckstücken in der zuständigen Nebenstelle des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF), in Neubrandenburg, untersucht worden. Dabei sollte zum einen der Zustand des gebrauchten Siedefettes analysiert, zum anderen der Gehalt an ernährungstechnisch unerwünschten trans-Fettsäuren ermittelt werden. Trans-Fettsäuren sind in gehärteten Siedefetten enthalten und durch den Backvorgang dann auch in den Gebäckstücken zu finden.

Drei der 20 geprüften Siedefette mussten wegen festgestellter Mängel als „nicht zum Verzehr geeignet“ beurteilt werden. Das betraf Abweichungen der sensorischen Beschaffenheit sowie die Grenzwertüberschreitung bei Fettkennzahlen, die zur zur Qualitätsbewertung der Fette herangezogen werden.
Überwiegend spiegelte sich die schlechte Qualität der Ausbackfette auch in einer schlechten Qualität der darin hergestellten Gebäckstücke wieder. Drei Proben – zwei Berliner und ein Schürzkuchen - waren deswegen nicht zum Verzehr geeignet und somit nicht verkehrsfähig.

Verbrauchern wird empfohlen: schmeckt ein Fettgebäck ranzig, kräftig bratig, kratzend im Nachgeschmack oder gar fischig, besteht der Verdacht, dass das Siedefett nicht in Ordnung war. Es sollte dann nicht gegessen werden. „Sprechen Sie die Verkäufer auf so etwas Unangenehmes an. Nur mit der entsprechenden Verbraucherrückmeldung kann eine Entwicklung in der Qualität stattfinden“, sagt Frerk Feldhusen, Direktor des LALLF. Er unterstreicht: „Hersteller oder Bäcker leisten grundsätzlich gute Arbeit - aber Sie müssen ihre Herstellungstechnologie und den Einsatz der Siedefette regelmäßig kritisch prüfen.“

Sieben weitere Proben Siedefette ergaben Analysewerte im Grenzbereich oder enthielten eine erhöhte Menge trans-Fettsäuren.

Bereits seit 2012 ist vom Bundesverband der Deutschen Süß-warenindustrie e.V. eine Leitlinie zur Minimierung von trans-Fettsäuren in Siedefetten erarbeitet worden. Sie weist die Her-steller von Fettgebäcken auf moderne trans-fettsäurearme Sie-deöle und -fette hin. Als Zielgröße für den Höchstgehalt an Trans-Fettsäuren nichttierischer Herkunft sind danach 2 % anzustreben.
Nachfolgend gab es im Jahr 2019 einen Beschluss der EU Kommission, der den Gehalt von Trans-Fettsäuren nichttierischer Herkunft auf 2 g pro 100 g Fett in Lebensmitteln rechtlich begrenzt. Je nach eingesetztem Fett sind im LALLF Werte bis 42,5 g trans-Fettsäuren ermittelt worden.
Da während des Backprozesses Siedefett vom Backgut aufgenommen wird, fanden sich dann auch im Fett der Backwaren hohe Gehalte von bis zu 9,1 g/100 g trans-Fettsäuren.

Die ermittelten Gehalte trans-Fettsäuren zeigen, dass weitere amtliche Kontrollen notwendig sind, um eine Verbesserung der Qualität dieser Erzeugnisse zu errreichen.

Hintergrund
Fettgebäcke werden in speziellen Siedepfannen in heißem Fett gebacken. Als Siedefett haben sich gehärtetes Erdnuss- oder Palmfett bewährt, da sie eine hohe Hitzestabilität aufweisen. Sie enthalten aber einen hohen Anteil an trans-Fettsäuren, die während der industriellen Verarbeitung entstehen. Ein verstärkter Konsum von trans-Fettsäuren kann Ursache für ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sein.

Neben der sensorischen Bewertung werden zur Bestätigung im Labor chemische Parameter zur Charakterisierung von Fett, z.B. die polaren Anteile, die Säurezahl, der Rauchpunkt u.a. Fettkennzahlen bestimmt. Insbesondere die sogenannte Anisidinzahl steht für eine beginnende Ranzigkeit des eingesetzten Siedefettes und stellt einen Hinweis auf seinen oxidativen Verderb dar. Auch die Intensität der Farbe ist ein Maß für den Fettverderb.
 


Keine Beanstandungen bei giftigen Tropanalkaloiden in Popcorn

15 Proben verschiedene Sorten Popcorns sind im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V im Jahr 2019 innerhalb eines Landesüberwachungsprogramms auf das Vorhandensein von Tropanalkaloiden untersucht worden. Alle Proben waren unauffällig und lagen mit ihren Gehalten unterhalb der Nachweisgrenze von 1,0 µg/kg.
Die Proben stammten aus zehn Einzelhandelsgeschäften, vier Kinos und einem Sonderpostenmarkt in M-V.

Tropanalkaloide (TA) sind natürliche Pflanzeninhaltsstoffe z. B. in Tollkirsche, Bilsenkraut oder Stechapfel und können während der Ernte ungewollt als Verunreinigungen in die Rohstoffe für Lebensmittel gelangen. Sie sind für alle Verbrauchergruppen akut giftig. Schon in geringer Dosierung sind durch TA die Herzfrequenz und das zentrale Nervensystem des Menschen beeinflussbar. Dabei kann es zu unerwünschten Wirkungen wie Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit kommen.

Da es in einzelnen Jahren immer wieder zu Rückrufen von Getreideprodukten, wie Müslis, Babybreimischungen, Popcorn wegen erhöhter Gehalte an TA gab, werden auch im LALLF relevante Lebensmittelgruppen überwacht.
Heute sind über 200 verschiedene TA bekannt. In den Speziallaboren des Landesamtes wird routinemäßig auf Atropin und Scopolamin untersucht. Das sind zwei Substanzen, die aufbereitet auch als Arzneimittelwirkstoff, zum Beispiel gegen Asthma und als Beruhigungsmittel eingesetzt werden können.

Diese Untersuchungsreihe von Popcornerzeugnissen hat keine besondere Belastung durch TA gezeigt. Eine stichpunktartige, routinemäßige Überprüfung ist in den nächsten Jahren wieder vorgesehen.

Hintergrund
Rechtlich geregelt sind Tropanalkaloide nur in Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder (VO(EG) 2016/239). Das heißt, es gibt für Popcorn keine gesetzlich vorgeschriebene Höchstmenge.

Generell gilt, dass die Verantwortung für die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und -qualität bei der Lebensmittelwirtschaft liegt. Wer mit Lebensmitteln handelt, muss alle hieraus resultierenden lebensmittelrechtlichen Verpflichtungen erfüllen. Dazu ge-hört auch, dafür zu sorgen, dass keine gesundheitlich bedenklichen Lebensmittel in den Verkehr kommen. Außerdem gilt ein Minimierungsgebot für unerwünschte Stoffe (Verordnung (EWG) Nr. 315/93). Dabei soll durch die gute Praxis von der Herstellung bis zum Inverkehrbringen der Gehalt an Kontaminanten in Lebensmitteln auf so niedrige Werte begrenzt werden, wie vernünftigerweise möglich ist (ALARA-Prinzip: as low as reasonably achievable-Prinzip).


Auswahl Pressemitteilungen 2019


Äpfel und Birnen essen!

Keine Beanstandungen bei Pflanzenschutzmittelrückständen

Weihnachtlich duftende, heiße Bratäpfel oder „Birne Helene“ als Kompott nach einem Festessen -  auch in dieser Form lässt sich Obst in der Winterzeit servieren.

Auch das dazu zu verwendende Frischobst unterliegt einer amtlichen Kontrolle. So wurden im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock gerade zehn Proben Äpfel und 14 Proben Birnen, alles konventionelle Ware aus dem Einzelhandel des Landes auf ihre Sensorik und mögliche Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht.
Keine der Obstproben musste beanstandet werden.

15 Proben stammten aus Deutschland, drei aus Italien, jeweils zwei weitere Proben aus den Niederlanden und Belgien, eine aus Portugal und eine aus Südafrika.

Die Sensorik – das Aussehen, der Geruch und der Geschmack - aller Äpfel und Birnen war in Ordnung.

In acht Obstproben – alle aus Deutschland – waren gar keine Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln nachweisbar. Die restlichen Proben enthielten einen oder mehrere geringste Mengen von zulässigen Wirkstoffen, aber alle unterhalb der jeweilig erlaubten Höchstmengen. Das waren überwiegend Fungizide und Insektizide – also Mittel gegen Pilzbefall und Insekten. Maximal wurden in einer Birnenprobe aus Italien fünf unterschiedliche Rückstände ermittelt.

Dieses Ergebnis passt sich in die langjährigen Erfahrungen des Landesamtes ein – um 65 % der Proben konventionellen Obstes sind rückstandspositiv, das heißt sie enthalten Rückstände. Bei Äpfeln und Birnen gibt es bundesweit keine oder kaum Überschreitungen der erlaubten Höchstmengen an Rückständen.
Die Anzahl der nachgewiesenen unterschiedlichen Wirkstoffe ist als „durchschnittlich“ einzuordnen.

Verbraucher sollten Obst vor dem Verzehr immer waschen, um eventuell Reste anhaftender Rückstände und auch mögliche  mikrobiologische Verunreinigungen zu reduzieren.


„Berliner“ werden in neuem Ambiente untersucht

30.10.2019

Jährlich werden im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei, in der Außenstelle Neubrandenburg neben vielen anderen Lebens- und Futtermitteln sowie Hygieneproben etwa 250 Backwaren auf unterschiedliche Parameter, wie Inhaltsstoffe oder mikrobiologische Beschaffenheit untersucht. Dafür arbeiten hier in der Fachabteilung 31 Landesangestellte.

Wie bei vielen anderen Gebäuden mit einer wechselvollen Geschichte, ist es nun auch in der Demminer Straße 46 so weit gewesen, dass eine bauliche Sanierung dringend Not tat.
Investitionen von über 3 Millionen Euro, davon 1,4 Millionen EU-Fördermittel, verbaut über die Landesbaubehörde BBL, ermöglichten eine Teilsanierung.
„Eine energetische Sanierung der Gebäudehülle einschließlich einer Fassadenerneuerung und die komplette Erneuerung des Verwaltungsbereiches – das ist zusammengefasst das, was im Jahr 2017 bei laufendem Untersuchungsbetrieb begonnen wurde“, sagt Prof. Feldhusen bei seiner Rede zur heutigen Übergabe des Gebäudekomplexes von der BBL an das LALLF. Das Gebäude ist nun auch behindertengerecht gestaltet.
Die Mitarbeiteranzahl konnte nach Sanierung in dem Bürohausteil erweitert werden. Jetzt arbeiten hier weiterhin sechs Kolleginnen und Kollegen des Pflanzenschutzdienstes (vorher Groß Nemerow) und drei auf dem Fachgebiet der Landwirtschaftlichen Bildungsförderung.

„Demnächst steht zum Beispiel die Untersuchung von „Berlinern“, den gern gegessenen Pfannkuchen an, die unter anderem auf den Gehalt an schädlichen Transfettsäuren überprüft werden“, weiß Feldhusen. „Die Kolleginnen im Labor sind sehr dankbar, dass eine starke Sonneneinstrahlung durch die neue Dämmung und Spezialbeschichtung der Südseitenfenster reduziert wird“, unterstreicht er.
 


Pflanzliche Spezialöle in der Kontrolle

In einem Landesüberwachungsprogramm des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei sind von den Experten des Neubrandenburger Labors 19 Spezialöle sensorisch, chemisch und auf gesetzeskonforme Kennzeichnung untersucht worden. Dabei waren unter anderem Kürbiskern-, Sesam-, Walnuss- und Erdnuss-, Lein-, Kokos- und Hanföle. Fünf Öle hatten Bioqualität.

„Nach Auswertung aller untersuchten Parameter können wir resümieren, dass die untersuchten Öle aus dem Einzelhandel keine gravierenden Mängel aufwiesen. Das bezieht sich sowohl auf die Sensorik als auch die qualitativen Merkmale wie Haltbarkeit und Sortenreinheit, außerdem auf die Einstufung nach dem jeweiligen Herstellungsverfahren, wie „kaltgepresst“ oder „raffiniert““, freut sich die zuständige Dezernatsleiterin Susanne Zellermann.

Die sensorische Beurteilung – Geruch, Geschmack, Aussehen - spielt eine wichtige Rolle bei Ölen und steht im engen Zusammenhang mit dem Genusswert des Lebensmittels Öl.
Die chemischen Untersuchungen umfassten die Ermittlung der so genannten Fettkennzahlen, wie zum Beispiel die Peroxidzahl und die Säurezahl. Sie charakterisieren das Öl und eignen sich, einen „verdächtigen“ sensorischen Befund zu untermauern.

Die für das jeweilige Öl typischen Gehalte der einzelnen Fettsäuren und Triglyceride sind überprüft worden. Ebenso, ob die Angaben zu gesättigten, einfach oder mehrfach ungesättigten oder der Omega-3-Fettsäuren auf der Flasche mit dem Ölinhalt übereinstimmten.
Alles war in diesem Probendurchgang in Ordnung.
Neben 17 dem Einzelhandel entnommenen Proben Speiseöle, waren zwei Proben in der Analyse, die die Hersteller im Internet verkauften. Bei beiden Ölproben war die gesetzeskonforme Nährwert-Kennzeichnung nicht vorhanden. Daher wurden sie beanstandet. Außerdem warb ein Verkäufer mit Wirkungen der Öle auf die Gesundheit, was nicht erlaubt ist.

Hintergrund
Beurteilt wird die Sortenvielfalt der Öle nach den Leitsätzen für Speisefette und Speiseöle. Diese Leitsätze spiegeln die allgemeine Verkehrsauffassung wider, stellen dabei keine gesetzliche Rechtsnorm dar. Sie werden laufend auf dem neuesten Stand gehalten. Unter anderem aktualisieren wichtige Gremien der Wissenschaft, Untersuchungsämter und Hersteller laufend den Inhalt.

Peroxidzahl: Peroxide können in Fetten und Ölen durch Oxidation von ungesättigten Fettsäuren mit Sauerstoff entstehen. Die Peroxidzahl als Maß für den Gehalt an peroxidisch gebundenem Sauerstoff eines Fettes oder Öles wird durch die Lagerungsbedingungen beeinflusst und steigt mit zunehmendem Alter der Öle, bei Lagerung im Licht oder erhöhten Temperaturen an. Die Folgeprodukte, wie zum Beispiel Aldehyde und Ketone, verursachen einen typisch ranzigen Geschmack.

Säurezahl: Die Säurezahl ist eine chemische Größe zur Charakterisierung von sauren Bestandteilen in Fetten oder Ölen.

Kaltgepresste native Öle
• Herstellung durch Pressen ohne Wärmezufuhr oder durch andere schonende mechanische Verfahren, keine Raffination
• Öle haben sortentypischen Geschmack und Farbe, sollten aber nicht zu hoch erhitzt werden
Raffinierte Pflanzenöle
• Herstellung durch Pressung, Extraktion und Raffination
• Raffination ein Bearbeitungsschritt nach der Heißpressung und/oder Lösemittelextraktion. Dabei werden unerwünschte Begleitstoffe aus dem vorher produzierten Rohöl (Truböl) entfernt, z. B. Pigmente, Geruchs-, Geschmacks- und Bitterstoffe), die Einfluss auf die Qualität der Produkte haben können.
• So bearbeitete Öle sind relativ geschmacksneutral und hitzestabil

Zum Braten eignen sich besonders hitzestabile, raffinierte Pflanzenöle , deren Rauchpunkt über 160 °C liegt, z. B. Raps-, Oliven-, Soja-, Sonnenblumen-, Erdnuss- oder Maiskeimöl. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt aufgrund des Fettsäurenmusters Rapsöl zum Braten, aber auch für die generelle Verwendung in der Küche. Zum Frittieren sollte ein hitzestabiles Öl ausgewählt werden, optimal ist ein Rauchpunkt über 200 ºC, wie z. B. raffiniertes Rapsöl, raffiniertes Olivenöl, Palmöl.


Untersuchung von Säften und Erfrischungsgetränken auf Benzol

Bestimmte Herstellungsbedingungen alkoholfreier Erfrischungsgetränke begünstigen die Bildung von Benzol, das nachweislich krebserregend und erbgutveränderd ist.
Im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock sind 15 Proben alkoholfreie Getränke auf ihren Gehalt an Benzol getestet worden. Derzeit existiert für den Benzolgehalt in Getränken keine gesetzliche Höchstmenge. Er sollte nicht größer als 1 µg pro Liter sein.
Es gab keine Beanstandungen aufgrund erhöhter Benzolgehalte.

Untersucht wurden unter anderem sieben Karottensäfte. Hierfür ist bekannt, dass Benzol bei der Herstellung aus natürlichen Inhaltsstoffen der Karotte entstehen kann, wenn der Saft über 30 Minuten auf mehr als 100 °C erhitzt wird. Das ist bei industrieller Herstellung von Karottensaft für Säuglinge und Kleinkinder aus Gründen der mikrobiologischen Sicherheit üblich. Die Karottensäfte waren alle in Ordnung.
Außerdem sind acht weitere aromatisierte, alkoholfreie Getränke in der Analyse gewesen, z. B. Energydrinks und aromatisierte Mineralwässer. Diesen war zur Haltbarmachung Benzoesäure (E210) zugesetzt worden. Aus Benzoesäure kann bei gleichzeitigem Vorhandensein von Ascorbinsäure ebenfalls Benzol entstehen. Ein Erfrischungsgeränk enthielt einen leicht erhöhten Benzolgehalt von 2,5 µg pro Liter. Hier wurde der Hersteller auf das Minimierungsgebot im Sinne des ALARA-Prinzips (As Low As Reasonably Achievable) hingewiesen.

Hintergrund
Benzol stammt hauptsächlich aus Brennstoffen und Verbrennungsprozessen (Kraftfahrzeug-Emissionen, Tabakrauch). Verbraucher nehmen die Substanz vor allem über die Atemluft auf. Sie kann aber als Verunreinigung auch in Trinkwasser oder in Lebensmitteln enthalten sein. Aufgrund seiner Wirkungen ist Benzol grundsätzlich unerwünscht und sollte in Lebensmitteln so weit wie möglich reduziert werden. Entscheidend für die Bewertung der gesundheitlichen Relevanz einer Benzol-Aufnahme ist die Betrachtung der Gesamtexposition des Menschen aus allen Quellen. Der Beitrag der Benzolaufnahme aus Erfrischungsgetränken/Karottensäften ist bei Benzolgehalten von wenigen Mikrogramm (µg) pro Liter Getränk und üblichen Verzehrsmengen vergleichsweise gering.

Die Lebensmittelhersteller sind gefragt, über Veränderungen der Rezepturen, der Herstellungsverfahren bzw. der Prozesse der Haltbarmachung die Benzolmengen in Lebensmitteln weiterhin zu reduzieren. So können beispielsweise ggf. die Temperaturen verringert oder Heißhaltezeiten reduziert werden.


Initiative für Artenvielfalt: LALLF legt Blühwiesen an

Auf Initiative einiger MitarbeiterInnen sind auf dem Gelände des Hauptsitzes des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in der Thierfelderstr. 18 in Rostock im späten Frühjahr Teile der Grünflächen zu insektenfreundlichen Blühwiesen umgearbeitet worden.
Jetzt tummeln sich Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und allerhand andere Insekten auf den insgesamt fast 600 qm neuer Blühfläche. Es wurden vier Teilflächen mit speziellen insektenfreundlichen Samenmischungen eingesät. Insbesondere entwickelte sich der Bienen- und Hummel-Liebling Phacelia in seinem schönen Blauvoilett.
„Für Insekten zählt jeder Quadratmeter artenreichere Pflanzengemeinschaft, der den Tieren Lebensraum bieten kann“, sagt Direktor Prof. Frerk Feldhusen. „Neben unseren vielen amtlichen Untersuchungen zu Bienenkrankheiten und Aktivitäten zur Bienengesundheit ist das eine freiwillige Initiative, die vielleicht weitere Nachahmer findet“, ergänzt er.

Im Rahmen der Diagnostik von Bienenkrankheiten gibt es im LALLF folgende Möglichkeiten:
Untersuchungen auf
- das Flügeldeformationsvirus,
- das Akute Bienenparalyse- und
- das Chronische Bienenparalyse-Virus.
Daneben werden die Bienenproben gleichzeitig auf einen Nosema-Befall - eine ansteckende Darmerkrankung durch einzellige Parasiten - sowie auf Varroamilben analysiert. Untersuchungen auf Erreger von bei Bienen Anzeigepflichtigen Tierseuchen, wie den Kleinen Bienenbeutenkäfer, Tropilaelapsmilben und nicht zuletzt Amerikanische Faulbrut runden die vielfältigen Diagnostikmöglichkeiten ab.
Auf Initiative des LALLF wurde im letzten Jahr die Bienengesundheits-AG, ein Zusammenschluss von Vertretern aller in  M-V relevanten Einrichtungen, die das Wohl der Bienen unterstützen, gegründet. Außerdem schult das Landesamt Bienensachverständige.
Untersuchungen des Honigs als Lebensmittel werden ebenfalls durchgeführt.
Nicht zuletzt erfolgt im LALLF im Fall von Völkersterben bei Honigbienen eine umfassende Abklärung der zahlreichen möglichen bzw. wahrscheinlichen Ursachen.

Ergebnisse vieler Untersuchungen finden Sie auf dieser Homepage.


Amtlicher check auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Smoothies

Smoothies enthalten das, was ihre Zutaten mit in das Enderzeugnis bringen. Sowie in der Ausgangsware Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (PSM) enthalten sind, lassen sich diese anschließend im trinkfertigen Produkt nachweisen.

In fünf von 19 Smoothies (29 %), die sowohl als vorverpackte (17 Stück) als auch als lose frisch hergestellte Ware in Verkehr gebracht wurden, fanden sich in der amtlichen Analyse PSM-Rückstände von bis zu sechs  verschiedenen Wirkstoffen.
Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten der verwendeten Zutaten für Smoothies gibt es aktuell keine gesetzlichen Festlegungen zu erlaubten Rückstandshöchstmengen. „Diese Grenzwerte existieren nur für die einzeln verwendeten Früchte oder Gemüse“, sagt Cornelia Trapp, Abteilungsleiterin der Lebensmitteluntersuchung im LALLF in Rostock. „Es gab keine Höchstmengenüberschreitungen, soweit man das unter diesen variablen Herstellungsbedingungen abschätzen kann und damit auch keine Beanstandungen.“

Auffällig war eine vorverpackte Smoothie-Probe mit Banane, Erdbeeren und anderen Früchten. Diese enthielt Rückstände von sechs verschiedenen Wirkstoffen. Das waren alles Fungizide, also Mittel gegen Pilzbefall, wie zum Beispiel gegen Grauschimmel.
„Nicht nur bei Smoothies gilt, dass mit der Verwendung von unbehandelten Zutaten, am sichersten zertifizierten Bioqualitäten, die Belastung mit PSM-Rückständen am geringsten ist“, sagt Lebensmittelchemikerin Trapp.

„Smoothies sind, wenn man so will, die teuerste Art, Obst und Gemüse zu genießen“, ergänzt Trapp. Das Trendprodukt kann die tägliche Ernährung bereichern, sollte aber kein ausschließlicher Ersatz für frisches Obst und Gemüse sein. In vielen Fertigpackungen sind verarbeitete und erhitzte Bestandteile, wie Fruchtsäfte enthalten, die kein vollwertiger Ersatz zur Frischware sind und außerdem ggf. erhöhte Anteile Zucker bedeuten.

Hintergrund
Es wird empfohlen, am Tag fünf Portionen Gemüse und/oder Obst zu verzehren. Das entspricht etwa 600 g pro Tag. Darauf nehmen einige Hersteller von "Smoothies" Bezug und preisen ihre Produkte als Ersatzportion an.

In vielen Fällen handelt es sich bei Smoothies um verarbeitete, industrielle hergestellte und ggf. erhitzte Erzeugnisse aus Obst und Gemüse.
Lebensmittelrechtlich ist die Angabe "Smoothie" nur eine Phantasiebezeichnung und allein, ohne eine Ergänzung, nicht ausreichend. Die kennzeichnungsrechtlichen Vorschriften beinhalten die Pflichtangabe eines Zutatenverzeichnisses. In dieser Liste werden alle Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtanteiles aufgeführt. Somit hat der Verbraucher die Möglichkeit, die Produkte hinsichtlich ihrer Zusammensetzung zu erkennen und zu unterscheiden.
Weiterhin müssen Zutaten, die durch Abbildungen oder Hinweise in der Bezeichnung des Lebensmittels besonders hervorgehoben werden, mit ihrem prozentualen Mengenanteil aufgeführt werden.


Hackfleisch gut und sicher?

Die Ergebnisse der Untersuchung von 294 Hackfleischproben in den letzten 15 Monaten im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock passen in die Reihe langjähriger Untersuchungsbefunde:
Bei Ware von der Theke wurden 18 Proben (8,2 %) beanstandet und bei den Industriepackungen drei Proben (4 %). Konkret sind 220 Proben lose abgegebenes oder für den unmittelbaren Verkauf umverpacktes Hackfleisch kleinerer Hersteller und 74 Proben vorverpackter „Industrieware“ mit längerer Haltbarkeitsfrist und dem Hinweis „nicht zum Rohverzehr“ analysiert worden.

Gründe für die Beanstandungen waren Nachweise gesundheitsschädlicher Erreger, wie verotoxinbildende Escherichia coli (VTEC) und Salmonellen. Auch eine verdorbene Probe war dabei. Daneben gab es Probleme mit hohen Gehalten hygienerelevanter Keime, die entsprechende Warnwerte überschritten.

Wichtig sind in der amtlichen Beurteilung auch die gesamt ermittelten Befunde zu verschiedenen Hygieneindikatorkeimen oder/und Verderberregern im Hackfleisch. Insgesamt waren bei der Ware kleinerer Hersteller 52 Proben (23,6 %) und bei der Industrieware mit längerer Haltbarkeitsfrist 14 Hackfleischproben (18,9 %) hinsichtlich ihrer mikrobiologischen Beschaffenheit auffällig. Das heißt, dass bei etwa jeder fünften Probe mehr oder weniger große Hygieneprobleme bei der Herstellung bzw. des Vertriebes von Hackfleisch vorkommen.

Kennzeichnungsmängel wurden ebenfalls festgestellt – bei der umverpackten Ware kleinerer Hersteller von Hackfleisch bei neun und bei der Industrieware bei vier Proben.

Verbrauchern ist teilweise nicht bewusst, dass rohes Hackfleisch aufgrund seiner großen Oberfläche sehr gute Wachstumsbedingungen für Mikroorganismen bietet. Somit ist es ein leicht verderbliches Lebensmittel. Regelmäßig werden daher risikoorientiert Hackfleischproben aus dem Einzelhandel in   M-V im LALLF untersucht.

Die Eigenverantwortung des Verbrauchers für das Lebensmittel und dessen Qualität fängt nach dem Einkauf an. Folgende Empfehlungen können für den Umgang mit gekauftem Hackfleisch gegeben werden:
• rasch und kühl transportieren,
• bis zum Verzehr sofort an die kühlste Stelle (unterste Ablagefläche über dem Gemüsefach) in den Kühlschrank legen,
• auch bei Kühlschranklagerung möglichst noch am Einkaufstag (innerhalb von 24 Stunden) verbrauchen. Ausnahme: unter Schutzatmosphäre verpacktes Hackfleisch ist bei sehr niedrigen Temperaturen über mehrere Tage haltbar - Datumskennzeichnung beachten,
• bei der Zubereitung komplett durcherhitzen, bis im Inneren keine Rotfärbung mehr vorliegt,
• nach der Verarbeitung Hände gründlich waschen,
• Geräte und Arbeitsflächen, die mit Hackfleisch Kontakt hatten, gut säubern.

Empfindliche Personengruppen, wie Kinder, Senioren, Schwangere und Menschen mit geschwächter Immunabwehr sollten Hackfleisch aufgrund eines höheren Risikos von Keimen nicht roh verzehren.

Hintergrund
Hackfleisch besteht gemäß den Leitsätzen der Lebensmittelherstellung für Fleisch und Fleischerzeugnisse aus gewolftem, grob entsehntem Rind- und/oder Schweinefleisch. Es wird entweder sortenrein oder als gemischtes Hackfleisch angeboten. Wird nicht extra anders deklariert, ist es grundsätzlich zum Rohverzehr geeignet, was viele Verbraucher auch tun.
Rohes Hackfleisch kann Krankheitserreger wie z. B. Salmonellen, Listerien oder spezielle Coli-Bakterien enthalten. Diese Keime sind mögliche Ursache für ernste Erkrankungen.


Möhren im amtlichen Test

Möhren gehören zu den kalorienarmen Gemüsesorten. Sie sind besonders reich an Carotin - einer Vorstufe von Vitamin A und enthalten Vitamin C, verschiedene B-Vitamine sowie wertvolle Mineralstoffe. Die Wurzeln können auch als Kuchenzutat verwendet werden – so steht vielleicht mancherorts Ostern ein Möhren- oder Rüblikuchen auf dem Tisch.

Um zu kontrollieren, ob frische Möhren sensorisch einwandfrei sind und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten, wurden im März 2019 neun Proben aus konventionellem Anbau und eine Biomöhrenprobe in Verkaufseinrichtungen in M-V zur Untersuchung im LALLF entnommen. Acht Proben stammten aus Deutschland, eine Probe aus Dänemark und die Biomöhren aus den Niederlanden.

Sensorisch war eine Möhrenprobe nicht in Ordnung – sie erschien nicht frisch, eher vertrocknet, war untypisch verfärbt und wurde daher auch beanstandet.

Drei Proben - zwei aus Deutschland und die Biomöhren aus den Niederlanden - enthielten keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Die anderen sieben enthielten bis zu vier Wirkstoffe – aber alle unterhalb gesetzlich geregelten und erlaubten Höchstmengen. Am häufigsten sind Fungizide nachgewiesen worden.
Dieses Ergebnis passt sich in die langjährigen Erfahrungen aus dem Landesamt ein – in der Regel sind 60 bis 70 % der Proben konventionellen Gemüses rückstandspositiv. Auch die Anzahl unterschiedlicher Wirkstoffe ist als „durchschnittlich“ einzuordnen.

Verbraucher sollten beim Kauf von Möhren darauf achten, dass diese knackig frisch aussehen. Sollte das Gemüse einen schlechten Eindruck machen, ist eine Information des Händlers sinnvoll - Niemand muss unansehnliche Frischware kaufen.
 


Untersuchung von Beikost für Säuglinge und Kleinkinder auf verschiedene Kontaminanten

Pressemitteilung vom 21.02.2019

Kinder sind eine besonders schützenswerte Verbrauchergruppe. Beikost* für Säuglinge und Kleinkinder ist daher in der EU-Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln eine streng geregelte Warengruppe. „Das beruhigende Ergebnis vorweg: in 39 Proben verschiedener Beikostarten, die auf 12 unterschiedliche Kontaminaten geprüft worden sind, gab es keine Überschreitung von Höchstmengenvorgaben“, resümiert Cornelia Trapp, Abteilungsleiterin Lebens- und Futtermitteluntersuchung im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock.
In der Analyse waren dem Einzelhandel entnommene 19 Proben Getreidebeikost – von Müslikeksen bis Getreidebreisorten – außerdem zehn Proben Beikost auf Obst- und zehn Proben auf Gemüsebasis.
Untersuchungsparameter waren:
• Nitrat (Basis für die Umwandlung in Nitrit, welches an der Bildung der als krebserregend geltenden Nitrosamine beteiligt ist),
• die Mykotoxine Aflatoxin B1 und Ochratoxin (OTA), Deoxynivalenol (DON), Zearalenon, Fumonisine (Schimmelpilzgifte, die bereits in geringen Konzentrationen toxische Wirkungen zeigen),
• Ergot- und Tropanalkaloide (Stoffwechselprodukte bestimmter Pilze bzw. Pflanzen, die die Gesundheit schädigen können),
• die Schwermetalle Blei, Cadmium,
• PAK´s (krebserregende Verbindungen, die bei Verbrennungsprozessen entstehen und lange in der Umwelt persistieren).

Nicht alle Proben wurden auf alle Parameter untersucht. Je nach Zusammensetzung der Beikost und Risiko wurde über den Prüfumfang entschieden. „Es gab bei unseren Untersuchungen nicht einen Parameter, der Anlass zur Sorge bereiten könnte“, sagt Trapp. Das unterstreicht, dass das Risiko, in Bezug auf die gängigsten Kontaminaten bei Beikost als gering eingeschätzt werden kann. „Hier funktionierte die Eigenkontrolle der Hersteller“, schlussfolgert die Expertin.
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* Beikost = Kindernahrung, die während der Abstillzeit und zur Ergänzung der Ernährung gegeben wird
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Tierversuchskommission – verantwortungsvolles Aufgabenfeld unter Leitung des LALLF

Pressemitteilung vom 19.02.2019

Replace: Einen Tierversuch durch eine andere Methode ersetzen.
Reduce: so viele Versuche bzw. Versuchstiere wie nötig aber so wenig wie möglich.
Refine: Die Belastung der Versuchstiere, z. B. durch Schmerzen, minimieren.
Das ist das 3R-Prinzip, nach dem heute jeder Tierversuch in Deutschland eingeschätzt wird.
Weitere Fragen werden geklärt:
• Ist mit dem Plan für diesen Versuchsansatz das benannte Versuchsziel zu erreichen?
• Sind alle ethischen Aspekte und pharmakologische Details bedacht?
• Ist der Versuch so angelegt, dass eine statistische Auswertbarkeit gegeben ist?
• Passt die geplante Versuchstierzucht und die Anzahl Versuchstiere?
Diese und andere, detailreiche Fragestellungen werden verantwortungsvoll von der zuständigen Genehmigungsbehörde für Tierversuche, dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock beurteilt. Die Behörde, die geschäftsführend die Sitzungen der Tierverschskommission leitet, wird von deren Mitgliedern beraten.
Zwei Mitglieder dieser Kommission werden Ende Februar neu berufen. Dann arbeiten hier 12 ehrenamtliche Mitglieder mit – abgedeckt werden u.a. die Fachgebiete Tier- und Humanmedizin, Ethik und Tierschutz, Pharmakologie. Die Fachleute stammen aus verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes. Sie treffen sich im monatlichen Rhythmus, um die im LALLF eingereichten Versuchsvorhaben von Universitäten, dem Fried-rich-Loeffler-Institut u. a. Einrichtungen entsprechend zu diskutieren und über deren Genehmigungsfähigkeit abzustimmen.

Wissenszuwachs heißt das übergeordnete Ziel aller Tierversuche. Von Tumorerkrankungen der Haut oder der Niere des Menschen, über Parkinson bis zur Optimierung von Haltungsbedingungen für landwirtschaftliche Nutztiere – die Themenfelder für Tierversuche in M-V sind breit gefächert.
Für den Fall, dass Versuchsvorhaben von der Kommission als nicht genehmigungsfähig bewertet wurden, erfolgen entsprechende Anhörungen der Antragsteller. Bei manchen Versuchsanträgen gibt es Teilgenehmigungen mit der Auflage von Zwischenberichten vor einer Genehmigung weiterer Teilversuche (2017 in 3 und 2018 in 2 Fällen). Genehmigt worden sind 2017  68 und 2018  75 Tierversuche.
In M-V werden als Versuchstiere Mäuse, Ratten, Fledermäuse, Fische und Kaninchen, keine Primaten verwendet. Es gibt auch zunehmend Tierversuche mit dem Ziel, das Wohlbefinden landwirtschaftlicher Nutztiere weiter zu verbessern.
Außerdem gibt es Versuchsanstellungen, die das Verhalten von Tieren in bestimmten Lebensräumen untersuchen. Hier geht es auch um wildlebende Tiere, wie z. B. Kraniche, Dorsche u. a. Fischarten. Wenn Vögel beringt und/oder besendert werden und sie ein zweites Mal für eine Kontrolle oder Beendigung der Besenderung eingefangen werden, ist dies unter dem Gesichtspunkt eines genehmigungspflichtigen Tierversuchs zu sehen.

Hintergrund
Ein Tierversuch hat eine maximale Dauer von fünf Jahren. Jegliche Änderungen, wie z. B. die Tierzahl, das Versuchsdesign oder der Versuchsort müssen bei der genehemigenden Behörde an-gezeigt werden. Ist ein Tierversuch abgeschlossen, muss unmittelbar anschließend ein Abschlussbericht vom Versuchdurchführenden an das LALLF übergeben werden, in wie weit das Versuchsziel erreicht wurde.


Staupe: wer seinen Hund liebt, sollte ihn impfen lassen

Pressemitteilung vom 12.02.2019

Im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V wird in der Abteilung Tierseuchendiagnostik bei der Untersuchung auf Tollwut in den meisten Fällen auch die Erkrankung Staupe mit abgeklärt. So wiesen die Experten des Amtes in den letzten Jahren bei Rotfüchsen eine durchschnittliche Staupe-Erkrankungsrate  von 75 % der untersuchten Tiere nach.
Die Staupe, auch Canine Distemper oder Maladie de Carre, ist eine hoch ansteckende Virusinfektion der Hunde und anderer Vertreter der Carnivoren (Fleischfresser). Infiziert werden können alle Tiere der Caniden, wie Hund, Fuchs, Wolf und marderartige Tiere, wie Nerz, Dachs, Marder sowie Waschbären, Otter und auch nicht heimische Wildtiere, z. B. Pandas. Für Menschen ist das Hundestaupevirus ungefährlich. Auch Hauskatzen können nicht erkranken.
Eine Impfung schützt Hunde und z. B. auch Frettchen wirksam gegen diese Viruserkrankung. Es ist ratsam, die Haustiere ausreichend grundimmunisieren zu lassen und regelmäßige Wiederholungsimpfungen nicht zu versäumen. Es besteht eine nicht zu unterschätzende Gefahr, vor allem für jagdlich geführte, aber auch für freilaufende Hunde. Fuchs und Marder können als Erregerreservoir fungieren und nicht impfgeschützte Hunde in der Nähe menschlicher Siedlungen oder bei Waldspaziergängen infizieren.

Hintergrund
Die Staupe ist eine akut oder subakut verlaufende, fieberhafte, virusbedingte Allgemeinerkrankung. Charakteristische Symptome sind Fieber, Apathie, Nasen- und Augenausfluss, Katarrhe der Schleimhäute des Atmungss- und Verdauungstraktes. Später können sich zentralnervöse Erscheinungen ausbilden. Gelegentlich kommt es zu Hautausschlägen und zur übermäßigen Verhornung der Haut der Ballen.
Infizierte Tiere scheiden das Virus durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin aus. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich direkt durch den Kontakt beim Belecken und durch Tröpfcheninfektion oder indirekt durch Aufnahme infizierten Futters oder Wassers. Eine Gefahr stellen Alttiere dar, die nicht wahrnehmbar erkrankt sind und Jungtiere infizieren können.


Auswahl Pressemitteilungen 2018



Keine Beanstandungen bei Pyrrolizidin- und Tropanalkaloiden in Kräutertees

Pressemitteilung vom 20.11.2018

Kürzlich sind im Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V in Rostock 12 Proben Kräutertee auf Pyrrolizidinalkaloide und 14 andere Proben Kräutertee auf Tropanalkaloide untersucht worden. In drei Proben waren Pyrrolizidinalkaloide (PA) nachweisbar. Die Gehalte lagen jedoch alle unterhalb der duldbaren täglichen Aufnahmemenge für PA, die vom BfR definiert wurden. Daher ergaben sich keine Beanstandungen.
Die Tees stammten aus dem Lebensmitteleinzelhandel, aber auch aus speziellen Teeläden. Elf Tees wurden in M-V hergestellt.

PA sind genotoxische, krebsauslösende Substanzen, die natürlicherweise in einer großen Zahl von Pflanzenarten weltweit vorkommen. Sie können die Leber schädigen. Die Teeproben wurden im LALLF auf 30 verschiedene PA untersucht. Es handelt sich dabei um die wichtigsten Vertreter, die eine toxkologische Bedeutung haben und vom BfR bewertet worden sind. Dazu gehören vor allem die 1,2-ungesättigten PA. Weltweit sind über 650 verschiedene PA bekannt. Wichtige Pflanzenvertreter sind beispielsweise Greiskräuter und Borretschgewächse.

Tropanalkaloide (TA) sind akut giftige, natürliche Pflanzeninhaltsstoffe, die auf das Herz-Kreislaufsystem und das zentrale Nervensystem schädigend wirken. Sie kommen unter anderem in Tollkirsche, Stechapfel und Bilsenkraut vor. Es sind heute mindestens 200 verschiedene TA bekannt. Im Landesamt wird routinemäßig auf Atropin und Scopolamin untersucht. Das sind zwei Substanzen, die aufbereitet auch als Arzneimittelwirkstoff eingesetzt werden können.

Gifthaltige Pflanzen oder -teile können  während der Ernte ungewollt als Verunreinigungen in die für Tees vorgesehenen Pflanzen und so mit in die Aufgussmischungen gelangen.
In Deutschland werden Tees und andere pflanzliche Lebensmittel regelmäßig stichprobenartig auf die benannten giftigen Substanzen analysiert. Mit den hier gefundenen Gehalten in Kräutertees und Tees ist eine akute gesundheitliche Gefährdung eher unwahrscheinlich. Jedoch kann für Vielverzehrer, die über einen langen Zeitraum höher belastete Teeaufgüsse trinken, ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden. Daher wird Verbraucherinnen und Verbrauchern, besonders Eltern, Stillenden und Schwangeren empfohlen, abwechslungsreich zu trinken und den Flüssigkeitsbedarf nicht ausschließlich durch Kräutertee und Tee zu decken. Dies ist auch für Kinder zu berücksichtigen.

Hintergrund
Generell gilt, dass die Verantwortung für die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und -qualität bei der Lebensmittelwirtschaft liegt. Wer mit Lebensmitteln handelt, muss alle hieraus resultierenden lebensmittelrechtlichen Verpflichtungen erfüllen. Dazu gehört auch, dafür zu sorgen, dass keine gesundheitlich bedenklichen Lebensmittel in den Verkehr kommen. Außerdem gilt ein Minimierungsgebot für unerwünschte Stoffe (Verordnung (EWG) Nr. 315/93). Dabei soll durch die gute Praxis von der Herstellung bis zum Inverkehrbringen der Gehalt an Kontaminanten in Lebensmitteln auf so niedrige Werte begrenzt werden, wie vernünftigerweise möglich ist (ALARA-Prinzip: as low as reasonably achievable-Prinzip).


Für die Verbrauchersicherheit: jährlich 500 amtliche Kontrollen im Futtermittelbereich der Nutztiere

Pressemitteilung vom 15.11.2018

Gesund vom Stall bis auf den Tisch - so sollen Lebensmittel tierischen Ursprungs erzeugt werden. In dieser Kette ist das Futter für die landwirtschaftlichen Nutztiere ein entscheidender Faktor. Es beeinflusst Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere aber auch die Beschaffenheit und Qualität der Lebensmittel. Futtermittel können Geruch, Geschmack, bestimmte Inhaltsstoffe und die Farbe von Milch, Fleisch und Eiern beeinflussen.

Ergänzend zur Eigenkontrolle der Hersteller ist die begleitende staatliche Kontrolle ein wichtiges Detail für ein gesundes Tierfutter und damit auch für gesunde Tiere und sichere Lebensmittel. Dafür sorgt in M-V die Futtermittelüberwachung des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF).
Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in der Kontrolle der Herstellung, Behandlung und Handhabung von Futtermitteln und der risikoorientierten, amtlichen Probenentnahme. Die Futterproben werden von Einzelfuttermittelherstellern, Herstellern von Mischfuttermitteln, Landwirtschaftsbetrieben, Händlern, Spediteuren und Lagerhaltern entnommen und anschließend hauptsächlich in den akkreditierten Laboren des LALLF untersucht.

Etwa 500 Kontrollen finden jährlich unangekündigt in ganz M-V statt. Dabei werden ca. 400 Futtermittelproben gezogen. Im Ergebnis der Analysen wurden in den letzten drei Jahren (2015 - 2017) Verstöße gegen das Futtermittelrecht in der Größenordnung zwischen 22 bis 24 % ermittelt. Dabei handelt es sich oft um:
• Verstöße gegen Kennzeichnungsvorschriften der Futtermittel,
• Verstöße gegen die Vorschriften zur Futtermittelhygiene, d. h. wie die Futtermittel in den Betrieben gelagert und gehandhabt werden,
• fehlende futtermittelrechtliche Registrierungen der Betriebsstätten sowie
• fehlende bzw. mangelhafte Qualitätssicherungskonzepte (HACCP-Konzepte).

Die Analysen der Futtermittel ergaben in demselben Zeitabschnitt einen Anteil nicht vorschriftsmäßiger Proben zwischen 9 und 17 %. Hier wird auf
• Inhalts- und Zusatzstoffe,
• unerwünschte, unzulässige und verbotene Stoffe,
• Pflanzenschutzmittel
und andere Aspekte untersucht, was in insgesamt bis zu knapp 12.000 Einzelparametern pro Jahr gemessen wird.
Probleme gab es unter anderem bei der Übereinstimmung von deklarierten und analysierten Inhaltsstoffangaben, z. B. Rohprotein, Rohfaser, Rohöle und –fette, Energieangaben. Weiterhin stimmten in einigen Proben die analysierten Zusatzstoffgehalte (z. B. Vitamine und Spurenelemente) nicht mit den gekennzeichneten Angaben überein. Beanstandungen im Bereich gentechnisch veränderter Organismen und der Kennzeichnung des Gehaltes verarbeiteter tierischer Proteine waren in sehr wenigen Fällen ebenfalls zu verzeichnen.

Die Kolleginnen und Kollegen dieses Fachgebietes sind neben der Kontrollarbeit auch bei speziellen Fragestellungen aktiv. Neben der Zulassung von Betrieben, die spezielle Mischfuttermittel oder Zusatzstoffe herstellen, sind auch die Grünlandflächen mit einem starken Bewuchs von für Nutztiere giftigen Jakobskreuzkrautes in den letzten Jahren verstärkt Thema gewesen. In Zusammenarbeit mit den LALLF-Experten des Pflanzenschutzdienstes wurden Kontrollmaßnahmen zur Gewährleistung der Futtermittelsicherheit notwendig. Die betreffenden Flächen wurden besichtigt und beurteilt. Auf Grund des teilweise massiven Bewuchses mit Jakobskreuzkraut musste die Beweidung mancher Flächen und die Futternutzung des Aufwuchses amtlich untersagt werden. Die anschließenden, betriebseigenen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Futtermittelsicherheit nach Empfehlungen des Pflanzenschutzdienstes sind durch die Futtermittelkontrolleure vor Ort geprüft worden. Schließlich konnten die Weideflächen wieder zur Nutzung frei gegeben werden.

Hintergrund
Die heute gültigen Rechtsgrundlagen zur Kontrolle der Futtermittel sind u. a. die Verordnung (EG) Nr. 178/2002, das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch, die Futtermittelverordnung und deren Kontroll-VO (EG 882/2004), die FuttermittelhygieneVO 183/2005 sowie eine Reihe von weiteren europäischen Verordnungen und Richtlinien.
Futtermittel sind für verschiedene Schadstoffe wie z. B. Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) oder Umweltkontaminanten wie z. B. Dioxine ein kritischer Eintragspfad in Lebensmittel (Carry-over-Effekt). Der Schutz der Verbraucher vor unerwünschten Stoffen aus der Kette Futtermittel - Tier - Lebensmittel ist ein zentraler Punkt bei der amtlichen Futtermittelüberwachung. Grundsätzlich sind sowohl Futtermittel als auch Lebensmittel dann aus dem Verkehr zu ziehen, wenn verbindlich festgelegte Höchstgehalte überschritten werden.


Safety first – Kontrollarbeit in Laboren mit Tierseuchenerregern

Pressemitteilung vom 06.11.2018

Was los ist, wenn die Maul- und Klauenseuche (MKS) grassiert, haben wenigstens die Älteren in unseren Landen noch im Gedächtnis: Straßensperren, Desinfektionszwänge für alle Autos, Mitarbeiter, die über Wochen oder gar Monate in Kuhställen bleiben mussten…
Und immer wieder gibt es Gerüchte, dass Ausbrüche von Seuchen durch entwichene Erreger aus Laboreinrichtungen verursacht werden. Eine Aufgabe des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V in Rostock ist die amtliche Kontrolle, dass kein Erreger seine Laborräume verlässt.

Dr. Doris Heim, Abteilungsleiterin Veterinärdienste und Landwirtschaft des LALLF erläutert: „Mit Tierseuchenerregern beschäftigen sich in M-V elf Einrichtungen. Je nach Erreger und dessen Gefährlichkeit für Mensch und Tier werden vor-Ort-Kontrollen durch eine Tierärztin meiner Abteilung durchgeführt.“ Es gibt vier Risikogruppen von Erregern, wobei die „1“ Schadorganismen mit der geringsten Gefährlichkeit umfasst. Das sind die, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie eine Krankheit bei Mensch oder Tier hervorrufen, wie z. B. abgeschwächte Virusstämme, die zur Herstellung  von amtlich zugelassenen Impfstoffen verwendet werden. Dahingegen umfasst die „Risikogruppe 4“ Viren und Bakterien, die ein hohes Infektionsrisiko mit starker Ausbreitungstendenz haben und bei denen es weder eine wirksame Vorbeugung, noch eine Behandlungsmöglichkeit gibt. Das wären unter anderem MKS- oder Ebola-Viren. Labore dieser hohen Risikoklasse werden mindestens einmal pro Jahr kontrolliert.

Detailliert erarbeitete Checklisten helfen bei der Kontrollarbeit, sicherheitsrelevante Gegebenheiten objektiv einzuschätzen. Inhaltlich geht es unter anderem um:
• einen beschränkten Zutritt zum Schutzbereich,
• geschlossene bzw. nicht zu öffnende Fenster und Türen,
• leicht zu reinigende und zu desinfizierende Oberflächen,
• die Nutzung mikrobiologischer Sicherheitswerkbänke,
• den Einsatz geeigneter Desinfektionsmittel,
• das Tragen von Schutzkleidung sowie
• das Vorhandensein von Spezialgeräten zur Inaktivierung von potenziell infektiösem Abfall.

Daneben wird die Dokumentation in den Laborbüchern kontrolliert. „Jedes Detail muss laborseitig notiert werden: was ist wann mit einem Erreger getan worden, wo lagert er und wo ist er letztendlich geblieben“, betont Heim.

An dieser Stelle können glücklicherweise keine schwerwiegenden Verstöße in den relevanten Laboren vermeldet werden. Bei den festgestellten Mängeln handelt es sich beispielsweise um Dokumentationslücken, nicht eingehaltene Wartungsintervalle, fehlende Belehrungsunterlagen oder Arbeitsanweisungen.

Da Labore, die mit Tierseuchenerregern arbeiten, weitere Gesetze und Verordnungen einzuhalten haben (unter anderem die Biostoffverordnung und das Infektionsschutzgesetz), sind Änderungen der Tätigkeiten, der Räume bzw. die Bearbeitung neuer Erreger auch dem Landesamt für Gesundheit und Soziales M-V zu melden.


Das Mitbringen von Pflanzenschutzmitteln aus dem Ausland ist verboten!

Pressemitteilung vom 18.07.2018

Aus aktuellem Anlass weist der Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V darauf hin, dass von Privatpersonen im Ausland erworbene Pflanzenschutzmittel nicht über die Grenze nach Deutschland verbracht werden dürfen. Nach Erkenntnissen der Behörde handelt es sich überwiegend um Glyphosat-haltige Mittel, die in Unkenntnis der Rechtslage von Bürgerinnen und Bürgern bei Grenzübertritt mitgeführt werden. Diese Produkte dürfen jedoch in Deutschland nicht angewendet werden!

Nach dem Pflanzenschutzgesetz dürfen in Deutschland nur Pflanzenschutzmittel (PSM) eingesetzt werden, die in Deutschland auch zugelassen sind. Zugelassene PSM sind mit einem Zulassungszeichen und einer Zulassungsnummer versehen. Wichtiger Bestandteil der Zulassung ist die Gebrauchsanleitung, die in deutscher Sprache alle Bestimmungen für die richtige, bestimmungsmäße Anwendung sowie Auflagen zum Anwender- und Umweltschutz enthält.
Diese Bedingungen werden durch die im Ausland erworbenen Stoffe nicht erfüllt. Weder sind sie in Deutschland auf ihre Eigenschaften hin geprüft, noch ist ihre Wirkung als Pflanzenschutzmittel sicher. Eine Einfuhr nach Deutschland und ihre Anwendung sind darum verboten.

Das Einfuhrverbot wird durch die Zollbehörden an der Grenze kontrolliert. Wenn an den in Mecklenburg-Vorpommern befindlichen Grenzübergangsstellen zu Polen derartige Pflanzenschutzmittel gefunden werden, wird gegen die verfügungsberechtigte Person ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.
Der Pflanzenschutzdienst des LALLF möchte darum Bürgerinnen und Bürger des Landes ebenso wie sich im Land befindliche Touristen informieren und gleichzeitig davor warnen, Pflanzenschutzmittel illegal nach Deutschland einzuführen.

Hintergrund
Durch die Zulassungsbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, sind in Deutschland derzeit 836 Pflanzenschutzmittel zugelassen, die unter 1620 Handelsbezeichnungen vertrieben werden. Darin enthalten sind 283 verschiedene Wirkstoffe. Für den Ökoanbau sind davon 92 Pflanzenschutzmittel mit 54 Wirkstoffen zulässig, vertrieben unter 209 Handelsbezeichnungen. 
Als Pflanzenschutzmittel für nichtberufliche Anwender im Haus- und Kleingartenbereich sind derzeit 589 Handelsprodukte zugelassen. Sie unterliegen einer besonders strengen Prüfung und sind durch eine besonders risikoarme Anwendung gekennzeichnet. Dies ist erforderlich, da nichtberufliche Anwender keiner Sachkundepflicht unterliegen, wie es bei einer beruflichen Anwendung vorgeschrieben ist. Darüber hinaus darf von einer Pflanzenschutzmittelanwendung im Haus- und Kleingartenbereich auch kein Risiko für Dritte ausgehen, denn die Behandlungsflächen sind in der Regel für die Familie des Anwenders frei zugänglich. Die o.g. illegal eingeführten Pflanzenschutzmittel erfüllen diese Bedingungen nicht. Auch deshalb sind ihre Einfuhr und ihr Einsatz verboten. 


Viel hilft nicht viel! Pflanzenschutzmittel und Dünger im Garten sensibel einsetzen

Pressemitteilung vom 07.05.2018

„Wissen Sie, unsere Rosen haben immer diese Flecken auf den Blättern und letztes Jahr hab ich mindestens zweimal Bi 58* gespritzt, aber so richtig geholfen hat das nicht.“ An diesen Bericht eines Hobbygärtners am MeLa-Stand des LALLF erinnert sich Dr. Stephan Goltermann, stellvertretender Leiter der Abteilung Pflanzenschutzdienst des LALLF in Rostock, noch lebhaft. Hier hatte jemand ein Insektizid mit einem Mittel gegen Pilze verwechselt. Ganz verstummt sind solche Anfragen trotz der Informationspflicht der Verkäufer von Pflanzenschutzmittel nicht. Hat ein Hobbygärtner Fragen zu Schäden an den Pflanzen im heimischen Garten, fragen die Kollegen des Pflanzenschutzdienstes nach allem, was die Pflanzengesundheit beeinflussen kann. Aus diesen Gesprächen zieht Goltermann den Schluss, dass wenn ein Hobbygärtner zu Pflanzenschutz- oder Düngemittel greift, häufig das alte Prinzip „viel hilft viel“ gilt.
Im heimischen Garten sollte die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln (PSM) möglichst die Ausnahme sein. Laut dem Pflanzenschutzgesetz dürfen hier nur Mittel angewendet werden, die den Aufdruck "Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig“ tragen.
Verkäufer von PSM sind gesetzlich zur Beratung von „wogegen, wann und wie“ verpflichtet. Auch wenn die chemischen Mittel einfach in der Handhabung sind und vergleichsweise günstige Eigenschaften haben, sollte ein verantwortungsvoller Gärtner auch nach Alternativen fragen.
Wenn sich der Hobbygärtner zu einer Anwendung entschlossen hat, ist die Gebrauchsanleitung auf der Packung Pflichtlektüre. Darin steht alles Beachtenswerte und was zu einer sicheren und vorschriftsmäßigen Anwendung nötig ist. Das Befolgen der Hinweise zur sachgemäßen Lagerung und Entsorgung runden einen verantwortungsvollen Einsatz von PSM ab.
Goltermann weist darauf hin, dass Pflanzenschutzmittel auf Freilandflächen nur eingesetzt werden dürfen, wenn diese landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden. Gärtnerisch genutzt werden auch Haus- und Kleingärten, aber nicht Wege, Hauseinfahrten, Böschungen oder sonstige befestigte und unbefestigte Freilandflächen. Hier stellt die PSM-Anwendung eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Bußgeld geahndet werden kann. Eine Anwendung auf diesen Flächen ist nur erlaubt, wenn zusätzlich eine Ausnahmegenehmigung bei dem Pflanzenschutzdienst beantragt und genehmigt wurde.
Noch ein Gedanke zur Düngung: Pflanzen werden durch eine überhöhte Düngergaben, besonders von Stickstoff, empfindlich gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Bundesweite Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Gartenböden extrem überversorgt sind, vor allem mit Phosphor, Kalium, Stickstoff. Besonders bei Stickstoff gilt es, das richtige Maß zu finden: ein Zuviel im Boden kann zu einer Nitratanreicherung in der Pflanze führen. Der Verzehr solcher Pflanzen hat beim Menschen möglicherweise gesundheitsschädliche Folgen. Von den Pflanzen nicht benötigter Stickstoff geht außerdem leicht durch Auswaschung in tiefere Bodenschichten verloren und kann damit das Grundwasser belasten. Grundsätzlich gilt für den Hobbygarten: Wird ein Boden regelmäßig mit organischer Substanz, wie Kompost, Mist, Gründüngung, versorgt, ist eine ausreichende Stickstoffzufuhr meist gewährleistet. 
Goltermann resümiert: „Im Kleingarten helfen in den meisten Fällen Hacke, Schere und das Absammeln von Raupen, Schnecken und befallener Pflanzenteile. Kleingärten sollen Orte der Biodiversität sein. Unter den Bäumen stehen Sträucher und daneben wachsen Erdbeeren und Kräuter. In diesem wunderbaren Durcheinander ist einfach kein Platz für chemischen Pflanzenschutz.“
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*Bi 58 ist im Haus und Kleingarten nur bei Zierpflanzen unter Glas zugelassen! Es ist bienengefährlich und schädigt Insekten!

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Herbizideinsatz auf Hof- und Garageneinfahrten ist unzulässig!

Pressemitteilung vom 03.08.2017

„Eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf befestigten Freilandflächen und auf sonstigen Freilandflächen, die weder landwirtschaftlich, noch forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, ist verboten“, macht Dr. Joachim Vietinghoff, Leiter der Abteilung Pflanzenschutzdienst des LALLF in Rostock deutlich.
Zu den betreffenden Flächen gehören beispielsweise Platten- und Kieswege, Garagen- und Grundstückszufahrten, Stellflächen, sonstige Hofflächen, Gehwege, Bürgersteige, Radwege, Parkplätze, Böschungen, Feldraine usw.. 

„Wir müssen immer wieder feststellen, dass Verstöße gegen diesen Teil des Pflanzenschutzgesetzes, § 12 Abs. 2, vorkommen. Typisch sind gelblich-bräunlich welkende Pflanzen, die unübersehbar darauf hinweisen, dass Bürger Chemikalien ausgebracht haben“, sagt Vietinghoff (siehe Fotos).

Das Anwendungsverbot ist ebenso für andere Mittel, die der Unkrautvernichtung dienen können, zutreffend - z. B. Wegerein oder Steinreiniger. Es gilt auch dann, wenn in der Gebrauchsanleitung eines Pflanzenschutzmittels Anwendungsgebiete wie "Wege und Plätze", "Wege und Plätze mit Holzgewächsen" oder "Wege und Plätze ohne Holzgewächse" aufgeführt sind.

In begründeten Einzelfällen kann die zuständige Behörde, das LALLF, auf Antrag eine Ausnahmegenehmigung  erteilen. 
Dazu muss der angestrebte Zweck 
- vordringlich sein, 
- mit zumutbarem Aufwand auf andere Art nicht erzielt werden können, 
- überwiegenden öffentlichen Interessen, insbesondere dem Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier  oder des Naturhaushaltes, nicht entgegenstehen.

Ein Verstoß gegen diese gesetzliche Regelung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Bußgeld, laut Gesetz bis 50.000 Euro, geahndet. 
Für landwirtschaftliche Beihilfeempfänger ist der Verstoß Cross Compliance relevant und führt entsprechend zu Kürzungen der Gelder.

„Wir bitten alle, sich an dieses Verbot zu halten“, mahnt Vietighoff. 
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Foto: typische Beispiele regelwidriger Anwendung von Chemikalien

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Pflanzen nicht sorglos mitnehmen! Xylella fastidiosa birgt Gefahr

Pressemitteilung vom 10.06.2017

„Xylella fastidiosa – es gibt keinen deutschen Namen - kann mehr als 300 Wirtspflanzenarten befallen, so z. B. Kräuter, Oleander, Olivenbäumchen, Ahorn“, sagt Joachim Vietinghoff, Leiter des Pflanzenschutzdienstes im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) M-V in Rostock. 
„Sind auch nur Einzelpflanzen nachweislich infiziert, müssen im Umkreis von 100 Metern alle bekannten und verdächtigen Wirtspflanzen ausnahmslos vernichtet werden. Es wird außerdem eine 10 km-Pufferzone eingerichtet, in der regelmäßig amtliche Überwachungsmaßnahmen durchzuführen sind. Zahlreiche Pflanzenschutzmaßnahmen folgen anschließend, um einer weiteren Verbreitung vorzubeugen“, macht Vietinghoff anschaulich.

Das gramnegative Bakterium Xylella besiedelt die Leitbahnen, das Xylem der Pflanzen und bildet dabei Schleimschichten (Biofilme), sodass sich die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgen können. Folgen sind das Vertrocknen und Absterben von Pflanzenteilen oder der gesamten Pflanzen. Übertragen wird der, nicht durch Pflanzenschutzmittel bekämpfbare Erreger, durch saugende Insekten, meist Zikaden.
Befallene Pflanzen zeigen ggf. über Monate keine Krankheitsanzeichen, so dass eine Ausbreitung oft lange unentdeckt bleibt. Das verkompliziert die Bekämpfung zusätzlich. Außerdem sind die erkennbaren Schäden an den Pflanzen sehr leicht mit bloßem Ver-trocknen von Pflanzenteilen zu verwechseln. 

Was kann der Verbraucher beitragen, dass sich Xylella fastidiosa in der EU nicht weiter ausbreitet?
Fälle der Krankheit gab es seit dem Jahr 2013 besonders in Italien und Frankreich, einen im Jahr 2016 auch in Sachsen. „Wenn Sie aus dem Urlaub Pflanzen aus anderen europäischen Ländern mit-bringen wollen, können wir Sie nur sehr bitten, dass Sie diese in zugelassenen Baumschulen kaufen und darauf achten, dass ein Pflanzenpass vorliegt“, mahnt Vietinghoff. 
Jeder Betrieb, der bekannte Wirtspflanzenarten produziert und/oder mit ihnen handelt, muss sich in einer EU-Datei registrieren lassen. „Bringen Sie aus Drittländern bitte nur Pflanzen mit in die EU, denen ein Pflanzengesundheitszeugnis beigefügt ist“, ergänzt er.
Xylella fastidiosa stellt aufgrund der benannten Umstände eine Gefahr für den heimischen Obst-, Zierpflanzen- und Weinanbau dar.
Für gewerbliche Betriebe liegt der Schwerpunkt der Vorsorge in der Überwachung und Minimierung der übertragenden Insekten. Das ist z. B. die regelmäßige Entfernung der Gräser in den Kulturen, dem Lebensraum der Zikaden. 

Hintergrund
Das Hauptverbreitungsgebiet des Bakteriums ist Nord- und Südamerika. Der Erreger wurde erstmalig 1880 in Kalifornien als Ursache einer Krankheit an Weinpflanzen nachgewiesen.
Alle Wirtspflanzen, an denen in der EU bisher Xylella fastidiosa nachgewiesen werden konnte, sind auf einer von der EU online geführten Datenbank aufgeführt. Die Europäische Union erließ im Zusammenhang mit dem Befall in Italien und Frankreich den Durchführungsbeschluss 2015/789/EU, in dem zusätzliche Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Verschleppung des Erregers innerhalb der EU und der Einschleppung in die EU festgelegt worden sind.

Ausführliche Informationen gibt es im Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen Julius Kühn

Passende Fotos sind auf folgender Website dargestellt: gd.eppo.int/taxon/XYLEFA/photos 

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Amt empfiehlt ausdrücklich abendliches oder nächtliches Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln

Pressemitteilung vom 11.05.2017

„Es ist nicht nur legal, wir empfehlen den Landwirten sogar, dass sie die Abend- und Nachtstunden dazu nutzen, ihre Felder mit notwendigen Behandlungen zu befahren“, sagt Joachim Vietinghoff, Abteilungsleiter Pflanzenschutzdienst im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei M-V in Rostock.
Entgegen einer weit verbreiteten Vermutung wollen Landwirte sich damit nicht den Kontrollen des Pflanzenschutzdienstes entziehen oder heimlich verbotene Mittel anwenden! Sie realisieren mit dieser – manchem Bürger etwas befremdlich anmutenden Arbeitszeit - eine natur- und umweltschonendere Methode der Spritzmaßnahmen.
Jetzt im Frühjahr ist die Hauptvegetationszeit und die Schadorganismen sind in der Massenvermehrung. Ab einer Windgeschwindigkeit von mehr als fünf Metern pro Sekunde darf mit einer Feldspritze nicht gearbeitet werden. Die Windverhältnisse bestimmen also die Anzahl der täglich möglichen Arbeitsstunden. Um die Spritzmittel zu einem optimalen Wachstumszeitpunkt in minimaler Menge auszubringen, können und sollten die überwiegend windstilleren Abende und Nächte genutzt werden. 
Mit der inzwischen gut entwickelten, auch abdriftgeminderten Spritzdüsentechnik und präzisen, GPS-gesteuerten Fahrgeräten kommt das Pflanzenschutzmittel oder der Flüssigdünger punktgenau in den Pflanzenbestand. Randstreifen an Gewässern und Biotopen lassen sich so auch nachts ganz exakt abgrenzen.

Ein weiterer wichtiger Vorteil nächtlicher Pflanzenschutzmaßnahmen ist, dass Honigbienen, Hummeln und viele andere, sogenannte Nichtzielorganismen nicht beeinträchtigt werden. Denn sie sind nachts nicht auf Nahrungssuche. Sie können also weder durch direktes Besprühen, noch durch Geruchsveränderungen gestört werden.

„Es gibt also keinen Grund zur Besorgnis! Vielmehr ist ein in der Nacht mit der Pflanzenschutzspritze arbeitender Landwirt ein umweltbewusster Landwirt“, resümiert Vietinghoff. 

Hintergrund:
Bei allen Spritzarbeiten unter freiem Himmel muss vor allem eine Abdrift des Spritznebels vermieden werden. Die Geräte erzeugen über den Spritzdruck feine Tröpfchen, deren Größe auch von der Fahrgeschwindigkeit abhängt, denn es geht darum, die gesetzlich festgelegte Aufwandmenge auf die Fläche zu bringen.
Um Abdrift zu verhindern, gibt es teilweise raffinierte technische Lösungen. Durch die Konstruktion der Düsen entsteht im Düsenkörper ein Luftstrom, der die Tröpfchen mit sich reißt und direkt in den Bestand schleudert. Durch diese sogenannten abdrift-geminderten Düsen kann die Abdrift um bis zu 90 % reduziert werden. Die Flüssigkeitsmenge einer Abdrift ist unter regulären Bedingungen sehr gering. Bei einer Abdriftminderung von 90 % darf sie zum Beispiel für den Düsentyp ID 05 im Abstand von einem Meter neben dem Spritzbalken höchstens 0,34 % und im Abstand von zehn Metern noch höchstens 0,03 % der normalen Behandlungsmenge betragen. Viele neue Pflanzenschutzmittel dürfen zulassungsseitig nur mit dieser abdriftgeminderter Düsentechnik angewendet werden.

Für die unterschiedlichen Pflanzenschutzmittel gelten spezifische Abstandsauflagen zu Gewässern. Ist kein Abstand ausgewiesen, greift § 12 Absatz 2 des Pflanzenschutzgesetzes. Dort heißt es: Pflanzenschutzmittel "dürfen jedoch nicht in oder unmittelbar an oberirdischen Gewässern und Küstengewässern angewandt werden."  Dieser Forderung wird der Landwirt gerecht, wenn er bei optimalen Anwendungsbedingungen (Wind, Fahrgeschwindigkeit und Spritzgestängehöhe) einen Abstand von einem Meter zur Böschungsoberkante einhält.

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„Schwarzfahrer“ im Verpackungsholz gefährden heimische Bäume

Pressemitteilung vom 05.02.2015

„Abgestorbene Laub- und Obstbäume – das kann einer der derzeit gefürchtetsten ‚Schwarzfahrer‘ in Holzpaletten oder –kisten bewirken: der Asiatische Laubholzbockkäfer“, stellt Armin Hofhansel, Dezernatsleiter der Pflanzengesundheitskontrolle im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock fest. Der bis zu 35 mm große, schwarzweiße Asiatische Laubholzbockkäfer mit seinen auffällig langen Antennen kann über das Verpackungsholz in der ganzen Welt verbreitet werden. Paletten und Kisten sind somit notwendige Transporthilfe für Waren im internationalen Handel aber leider auch ungewollt für Schaderreger.

Qualifizierte MitarbeiterInnen des Pflanzenschutzdienstes des LALLF kontrollieren regelmäßig die Holzverpackungen von Importwaren auf eventuellen Befall mit diesem Käfer, suchen nach Schadbildern, wie Bohrlöchern oder Bohrmehl. 
Um der Verbreitung des Asiatischen Laubholzbockkäfers und anderen Schädlingen vorzubeugen, gibt es einen internationalen Standard mit Maßnahmen für die Behandlung von Holzverpackungsmaterial im internationalen Handel (ISPM Nr. 15). Ist das Holz stärker als 6 mm, muss es einer Hitzebehandlung nach dem o. g. Standard unterzogen werden. Schadorganismen sterben dann ab. Ein somit sicheres Verpackungsholz wird mit einer amtlich registrierten Markierung gekennzeichnet, was einem amtlichen Dokument für die Schädlingsfreiheit gleich kommt. Diese Markierung dient auch als Kontrollmerkmal für den Pflanzenschutzdienst bei der Importkontrolle von Verpackungsholz. Ist das Verpackungsholz oder dessen Kennzeichnung nicht in Ordnung, kann durch den Kontrolleur unter anderem die Verbrennung angeordnet werden.

„Wenn Sie an einer Palette oder auch an einem Laubbaum ca. 1 cm große kreisrunde Ausbohrlöcher sehen oder bis zu 3 cm breite Fraßgänge, gegebenenfalls auch größere Mengen grobe Nagespäne oder gar bis zu 60 mm große cremeweiße Insektenlarven, dann könnte es sich um einen eingewanderten Laubholzbockkäfer handeln. Zögern Sie nicht und informieren Sie den Pflanzenschutzdienst“, bittet Hofhansel. 
„Wenn der Verdacht besteht, dass Sie einen Asiatischen Laubholzbockkäfer gefunden haben, setzen Sie ihn fest – am besten in einem Glas, denn Plastiktüten sind für den Käfer kein Hindernis - und geben uns Bescheid“, ergänzt Hofhansel. Es darf auf keinen Fall zu einer Freisetzung  oder Vermehrung dieses Schädlings kommen. Er ist eine ernstzunehmende Gefahr für das Leben und Überleben unserer heimischen Baumbestände.

Hintergrund
Der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) stammt ursprünglich aus Asien und ist in Deutschland bisher an mehreren Standorten gefunden worden. Die neuesten Fälle sind 2014 aus München und Magdeburg bekannt. 
Der Käfer kann völlig gesunde Bäume besiedeln und abtöten. Für den Menschen ist er unbedenklich. Zu seinen Wirtspflanzen zählen alle Laubbaumarten, einschließlich Obstgehölze.
 

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