Multiresistente Keime

Multiresistente Erreger (MRE) sind Bakterien, die unempfindlich sind gegenüber der Wirkweise der meisten Antibiotika. Diese Unempfindlichkeit ist eine biologische Eigenschaft, die im Erbgut vieler Bakterienstämme festgelegt ist und bei ihrer Vermehrung weitergegeben wird.

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    Doris Heim

    Der in der Regel medizinisch begründete Einsatz von Antibiotika hat über Jahrzehnte hinweg zu einer Selektion (Überlebensvorteil) von Bakterienstämmen geführt, die gegen eine zunehmend größere Zahl von Wirkstoffen resistent sind und die empfindlicheren Bakterienstämme allmählich verdrängen.

    Als Multiresistenz bezeichnet man in der Medizin eine Form der Antibiotikum Resistenz, bei der Bakterien gegen mehrere, verschiedene Antibiotika unempfindlich sind. Sie werden auch als MRE-Keime/Multiresistente Erreger bezeichnet.

    Die Multiresistenz kann verschiedene Ursachen haben. Einerseits kann ein Resistenzmechanismus gegen viele Antibiotika wirksam sein, wie bei einem Teil der Betalaktamasen. Andererseits kann ein Erreger mehrere Resistenzmechanismen ausprägen, die aus epidemiologischen Gründen gehäuft zusammen auftreten. Beispielsweise sind ESBL-Keime häufig nicht nur resistent gegen Beta-Laktam-Antibiotika, sondern auch gegen Fluorchinolone.
    Unter den Gefahren durch Infektionserreger kommt in Europa nach einer aktuellen Analyse den im Krankenhaus erworbenen (sogenannten nosokomialen) Infektionen die größte Bedeutung zu.
    Hierbei zeichnet sich eine zunehmende Gefährdung durch immer resistentere Erreger ab. Inzwischen stellen MRE ein großes Problem bei der Behandlung von Infektionen dar. 

    Zu den wichtigsten MRE gehören Methicillinresistente Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA), Extented Spectrum Beta Lactamase (ESBL) bildende Enterobakterien und weitere sogenannte Gram-negative Bakterien.
    Um der weiteren Zunahme von Antibiotikaresistenzen entgegenzusteuern, müssen eine kluge Antibiotikaanwendung geschult, angemessene Hygienemaßnahmen umgesetzt und MRE-Träger erkannt werden. 

    Die Multiresistenz kann verschiedene Ursachen haben. Einerseits kann ein Resistenzmechanismus gegen viele Antibiotika wirksam sein, wie bei einem Teil der Betalaktamasen. Andererseits kann ein Erreger mehrere Resistenzmechanismen ausprägen, die aus epidemiologischen Gründen gehäuft zusammen auftreten. Beispielsweise sind ESBL-Keime häufig nicht nur resistent gegen Beta-Laktam-Antibiotika, sondern auch gegen Fluorchinolone.

     

    Zur weiteren Information:

    • GERMAP 2012: Antibiotika-Resistenz und -Verbrauch: Bericht über den Antibiotikaverbrauch und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland (erstellt auf Initiative des Bundesamtes für Verbraucherscutz und Lebensmittelsicherheit, BVL - Auflage April 2014)

    MRSA

    Staphylococcus aureus sind gram-positive, kugelförmige Bakterien, die beim Menschen neben dem Rachen auch verschiedene andere Körperregionen besiedeln und lokale (oberflächliche), tiefgehende oder systemische Infektionen hervorrufen können.

    Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) zeichnen sich durch eine erworbene Resistenz gegenüber Penicillinen und Cephalosporinen aus.
    MRSA befinden sich etwa bei einem Drittel aller Menschen auf Haut und Schleimhaut, insbesondere der Nase, ohne dass Krankheitssymptome auftreten. Unter günstigen Wachstumsbedingungen und/oder bei beeinträchtigter Immunität entwickeln sich Hautinfektionen, Muskelerkrankungen aber auch Lungenentzündungen, toxischer Schock und Sepsis.

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    ESBL

    ESBL ist eine Eigenschaft verschiedener Erreger – ist also keine eigenständige Bakteriengruppe.
    ESBL steht für „Extended-spectrum Beta-lactamasis“. Das heißt, es handelt sich um antibiotikarestistente Keime, die ein Enzym gegen ein breites Spektrum von ß-Laktam-Antibiotika besitzen, wie Aminopenicillinen (z. B. Ampicillin), Cephalosporinen (auch der dritten und vierten Generation) und Monobactamen haben.
    Damit werden die Bakterien gegenüber vielen, auch in der Humanmedizin verwendete Antibiotika unempfindlich. Diese Resistenzen werden besonders bei den Enterobakterien beobachtet, zu denen u. a. Salmonellen und E. coli aber auch Klebsiellen gehören. Besonders problematisch dabei ist, dass harmlose Darmbakterien die Gene für ESBL an krankmachende Bakterien, beispielsweise Salmonellen, weitergeben können.

    Die Anwendung von Antibiotika bei Tieren und Menschen fördert die Verbreitung
    ESBL-tragender Bakterien und ihrer Gene.

    Über das Vorkommen von ESBL-tragenden Bakterien beim Menschen gibt es wenig repräsentative Untersuchungsergebnisse. Bisher ist nicht bekannt, wie oft der Kontakt oder die Besiedelung mit ESBL-tragenden Bakterien beim Menschen zu einer Erkrankung führt. In den meisten Fällen wird der Mensch die Besiedlung mit diesen Keimen nicht bemerken, da diese Bakterien harmlose Darmbakterien sind. Sie gehören auch zur natürlichen Keimflora von Lebensmitteln sowohl tierischer als auch pflanzlicher Herkunft.

    Es gibt unter den ESBL-tragenden Bakterien aber auch solche, die beim Menschen Erkrankungen verursachen können, z. B. Salmonellen oder enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC).
    Das Risiko einer Infektion über Lebensmittel hängt von der Erregermenge im Lebensmittel ab. Bei der Verbreitung spielen aber auch mangelhafte Hygiene im Krankenhaus, im Tierstall sowie im Haushalt eine herausragende Rolle.

    Das BfR befasst sich im Rahmen des Zoonosemonitorings mit dem Vorkommen und der Bedeutung von Zoonoseerregern und deren Resistenzeigenschaften entlang der gesamten Lebensmittelkette: Tierbestände, Futtermittel, tierische und pflanzliche Lebensmittel.
    Im Rahmen eines bundesweiten Zoonosemonitorings werden auf den verschiedenen Stufen der Lebensmittelkette Proben untersucht. Sie werden im LALLF für M-V voruntersucht. Die gefundenen Zoonoseerreger werden zur weiteren Charakterisierung an das BfR Referenzlabor Berlin gesendet. 
    Diese Untersuchungen auf ESBL sind z. B. bei Coli-Bakterien erst seit 2009 mit repräsentativen Erhebungen begonnen worden. Das heißt, wir stehen am Anfang einer Beurteilungsmöglichkeit für dieses spezielle Thema. Vom BfR wurde ein standardisiertes Untersuchungsverfahren zur Isolierung von ESBL –verdächtigen Keimen erarbeitet.
    Ergebnisse dazu sind im Ordner Zoonosen zu finden.

    Verbraucherinnen und Verbraucher sollten zum Schutz gegen ESBL-tragende Keime dieselben Hygieneregeln unbedingt beachten, die auch für andere vom Tier oder vom Lebensmittel auf den Menschen übertragbare Krankheitserreger (Zoonoseerreger) gelten.

    Carbapenemasebildende Enterobakterien

    Carbapeneme sind Antibiotika, die für die Behandlung von Menschen zugelassen sind und von der Weltgesundheitsorganisation als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen (critically important antimicrobials) eingestuft wurden. Solche Reserveantibiotika sollen nur zum Einsatz kommen, wenn Standardantibiotika keine Wirkung mehr zeigen, d.h. nach strenger Indikationsstellung. 
    Ein Mechanismus, der zu einer Resistenz von Bakterien gegen Carbapeneme führt, ist die Bildung bestimmter Enzyme, der sogenannten Carbapenemasen. Die Wirkstoffklasse der Carbapeneme kann dann nicht mehr zu Behandlung von Infektionen eingesetzt werden, die von carbapenemasebildende Bakterien ausgelöst werden.
    Carbapeneme gehören zur Gruppe der Breitband-ß-Laktam Antibiotika.
    Die Zunehmende Verbreitung von Carbapenem- Resistenzen verursacht schwerwiegende Probleme in der Humanmedizin.